Der schnelle Prüter

betr.: 1. Todestag von Eberhard Prüter

Ich hatte die Freude, mit Eberhard Prüter zusammenarbeiten zu dürfen. Er machte mir am Rande der Ereignisse ein Kompliment. „Als vorhin die Redakteurin da war“, meinte er, „da hast du ganz normal weiter Regie geführt, wie immer. Die meisten Kollegen wollen dann immer zeigen, wie wahnsinnig sorgfältig sie sind und lassen einen alles dreimal machen. Du nicht.“
Ich habe irgendwas Banales darauf geantwortet, anstatt das Naheliegende aber Angebrachte zu sagen, dass es bei ihm dumm wäre, etwas zu beanstanden. Heute bereue ich, dass ich es nicht doch gesagt habe.

Ich war immer ein Fan seiner knarrenden, abgründigen Stimme und fand es schade, dass er selten eine Hauptrolle bekam – wie die des bösen Nachbarn Thaddäus Tentakel in „Spongebob Schwammkopf“.
Zu den Größen, die er im Laufe der Jahre als Sprecher betreute, zählen Ian McKellen, Rowan Atkinson, David McCallum und die Enterpriseler Walter Koenig und William Shatner.
Eberhard Prüter gehörte zu den professionellen Fieslingen im Berliner Synchrongeschäft, aber er war besser als die meisten anderen. Er war auf diesen Part nicht festgelegt; er hatte enormen Witz und die Möglichkeit, viel Herz in seine Kauzigkeit zu legen. Er lieferte wirkliches Schauspiel am Mikrofon – was die genannten „meisten anderen“ Synchron-Dauerbösewichte sicherlich auch alle können, aber in der zunehmenden Enge der Disposition hin und wieder glauben, nicht bieten zu dürfen, zu sollen oder zu müssen.
Eberhard Prüter tat es stets, „für’s selbe Geld“ und in der selben Zeit.

Er fehlt aber noch aus einem anderen Grund. Er war der unwiderbringlich letzte Vertreter einer Sprechergeneration, die noch einen ganz eigenen Sound haben durfte. Lange vor ihm gegangene Meister wie Hans Hessling (Chaplins Stimme im „Großen Diktator“), Klaus Miedel (eine Allzweckwaffe, die u.a. Dean Martin Synchronisierte) oder Gert Martienzen (Stammsprecher von Louis de Funès und Frank Sinatra) würden heute gar nicht erst aufs Gelände gelassen – weil zu wenig ohrgängig. Wenn dennoch heute eine Stimme gebraucht wird, die nicht wie ein Yuppie Mitte 30 klingt – also in jeder anspruchsvollen Serie und in jedem Spielfilm – werden die Kollegen gebeten, sich zu verstellen – was den Zuhörer ebensosehr anstrengt wie sie selbst.

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1 Antwort zu Der schnelle Prüter

  1. Aaron L sagt:

    Ein toller Text!
    Ja, er hatte zu selten Hauptrollen, er war mein Lieblingsschauspieler und Synchronsprecher und wird es auch immer bleiben, ich hatte auch das Vergnügen ihn kenne zu lernen, er war auch privat ein sehr netter Mensch.. Seine Stimme ist unersetztbar.. Er fehlt mir auch sehr :'(
    Ich bin froh, dass auch andere an seinen Todestag gedacht haben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Aaron L.

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