Noch cooler als „Fargo“

betr.:  57. Geburtstag von Oliver Platt / „Fargo“ (Erste Staffel)

Hin und wieder wird ein Kinofilm nachträglich zum Pilotfilm für eine Fernsehserie – was in unseren Tagen eine besondere Ehrung für den jeweiligen Stoff darstellt.
Filmklassiker wie „M*A*S*H“ oder „The Odd Couple“ zogen Jahre später erfolgreiche Serien nach sich, zu einer Zeit, da das Kino noch unangefochten als Königsklasse galt und das Fernsehen (durchaus in doppelten Wortsinne) „the small screen“ genannt wurde.
„Fargo“ ist wieder so ein Transfer, und an ihm lässt sich ablesen, wie viel spitzfindiger so eine Übertragung vom Film zur Serie heutzutage ausfällt.
Das Personal des Films wird nicht einfach übernommen, seine Lebensverhältnisse werden nicht schlicht weitererzählt. Die in sich abgeschlossene erste Staffel  von „Fargo“ übernimmt Schauplatz (eine Reihe fiktiver Ortschaften im winterlichen Minnesota) und Motive des besten Films der Coen-Brüder und macht daraus etwas Neues. Man braucht den Film nicht zu kennen, um die Serie zu verstehen, aber erstens vergrößert seine Kenntnis das Vergnügen, und zweitens verschönert sie das Leben insgesamt.
Es ist köstlich, wie man dann aufs Glatteis geführt wird, wenn die hochschwangere Frau in der ersten Folge ist NICHT die wohlbekannte Polizistin ist (stattdessen ist der Ehemann Polizist, und wenn man gar nicht mehr daran denkt, taucht die schwangere Polizistin doch noch auf …), wie Situationen weitererzählt werden (der 1987 versteckte Koffer mit den Moneten wird im nämlichen Jahr von einem noch mittellosen griechischen Einwanderer gefunden …),  wie sich zwischen verwandten Charakteren auch eine Familienähnlichkeit andeutet (bei den beiden schweigsamen Killern von einst und jetzt), wie unentwegt ein Remake angetäuscht wird, das in Wirklichkeit niemals stattfindet.
„Fargo“ / die Serie spielt außerdem mit der Besserwisserei eines Publikums, das alles schon hundertmal gesehen hat – und ist doch jedesmal in der Lage, es zu überraschen. (Das ist umso erfreulicher, seit der Erfolg von „True Detective“ bewiesen hat, dass viele Fans und Kritiker auch mit den immer gleichen Klischees und Versatzstücken vollauf zufrieden sind!)
Die Serienmacher des 20. Jahrhunderts waren verdammt pfiffige Typen, aber eine solche Adaption wäre ihnen nicht im Traum eingefallen. Es ging ja auch so, als the screen noch small war.

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