Zombie mit Köpfchen

Betr.: 94. Jahrestag der Öffnung der Grabkammer des altägyptischen Königs der 18. Dynastie, Tutanchamun durch Howard Carter

Als Howard Carter das Grab des Tutanchamun öffnete, war die Mumie als solche noch ein rein archäologischer Topos.
Knapp zehn Jahre später machte sich der früh verstorbene Monarch auf den Weg in die Popkultur. In Hollywood war der sanftmütige Schauspieler William Pratt als Boris Karloff und dieser als Monster von „Frankenstein“ zu Weltruhm gelangt, und bei Universal überlegte man, welches Horrorwesen er als nächstes verkörpern konnte; der „Dracula“ war bereits an einen ungarischen Kollegen vergeben. Man erinnerte sich des sensationellen ägyptischen Fundes vom Februar 1923 und kam auf die Idee, Karloff eine wiedererwachte Mumie spielen zu lassen. Dieser Film mit einem Budget von unter 200.000 Dollar wurde ebenso erfolgreich wie seine beiden Vorgänger, und das Gruselkabinett war um einen Protagonisten reicher. Von allen seither gedrehten Mumien-Filmen – es gab deren nicht wenige – erlangte nur der erste Klassikerstatus.

Schon Karloff und seine Kollegen waren sich über die Schwierigkeit im Klaren, ein an sich recht ungefährliches Ungetüm (vertrocknet, steif, langsam) als bedrohlich in Szene zu setzen. Die Regie des Kameramannes Karl Freund machte das mit viel Atmosphäre wett, mit einer für die damaligen technischen Verhältnisse recht ambitionierten Filmmusik (die von einem Thema des jungen Victor Young gekrönt wird) und der Kombination aus Karloffs hypnotischem Spiel und dem Makeup des bewährten Jack Pierce. (Noch eindrucksvoller als die Bandagen-Maske ist das Gesicht des verfluchten Hohepriesters.)

Mummy1-2colWallace Woods* werkgetreue Comic-Version der „einzigen Szene in der gesamten vierzigjährigen Mumien-Saga, die wirklich gruselig ist“ (William K. Everson, 1975): Die erwachte Mumie greift nach einem historischen Schriftstück, woraufhin dessen Leser den Verstand verliert. Ihr bandagiertes Gesicht ist im Film nur kurz zu sehen. (1967 veröffentlicht in „Eerie“)

Mummy Strip 3_Ball
Auch ausgewickelt bietet der ägyptische Priester einen eindrucksvollen Anblick. Während er sein Opfer per Fernhypnose in den Bann schlägt, spielt die Tanzkapelle Victor Youngs „Beautiful Love“. (1967 veröffentlicht in „Eerie“)

„The Mummy“ legte außerdem den Grundstein für die aktuelle Zombie-Welle – 1968 hat George A. Romero das Konzept mit „Night Of The Living Dead“ komplettiert**. In den späteren Staffeln der aktuellen TV-Serie „The Walking Dead“ haben wir es wieder mit Untoten zu tun, die sich – wie einst Karloffs Mumie – zur Not auch beherzt wegschubsen lassen, was mit den eher aggressiven und sprungbereiten Exemplaren der ersten Folgen noch nicht möglich gewesen wäre.

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* Ein Sammelband mit einschlägigen Arbeiten des Künstlers ist bei Vanguard Productions in den USA erschienen.
** Dazwischen liegt „I Walked With A Zombie“ (1943) von Jacques Tourneur. Dieser Film nennt das Schlagwort im Titel, spielt aber für die besagte Entwicklung keine Rolle, da er sich mit Voodoo beschäftigt, nicht etwa mit „lebenden Toten“.

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