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betr.: 90. Geburtstag des Superhelden „Phantom“

Anders als es immer wieder selbst von Fachleuten behauptet wird, war „Superman“ nicht der erste Superheld im heutigen Sinne, er war bestenfalls der dritte, denn zuvor gab es „Doc Savage“ (allerdings noch nicht im Comic, sondern in den Pulps) und „Phantom“, der heute vor 90 Jahren das erste seiner täglichen Dschungel-Abenteuer erlebte. Superkräfte hat er nicht, lediglich große Fitness, Geschicklichkeit und ein gutes Marketing, das ihm den Ruf der Unsterblichkeit und den Spitznamen „Der wandelnde Geist“ eingetragen hat: seit 1525 übernimmt jeweils der erste männliche Nachkomme Amt und Uniform des Helden, ursprünglich der Seefahrer Christopher Standish. Der Schöpfer und Autor dieses Charakters (nur im ersten Jahr hat er ihn auch gezeichnet) ist wie so oft im klassischen amerikanischen Comic ein jüdischer Künstler: der Theaterregisseur Lee Falk.

Wolfgang J. Fuchs, der das direkte „Batman“-Vorbild „Phantom“ noch als „Vorläufer der Superhelden“ sowie als „Mischung aus Sagengestalt und Superheld“ einordnet, beschreibt das Konzept in seinem Standardwerk „Das große Buch der Comics“: »Die Entrücktheit von allen Realitäten äußert sich nicht nur im legendenfördernden Gebaren der Hauptperson, sondern auch in der Lokalisierung der Handlung auf einer großen Insel namens Bengali vor der Ostküste Afrikas. Das Phantom herrscht in den „tiefen Wäldern“ von der Totenkopfhöhle aus, wo ein Totenkopfthron steht. Diese Höhle der Erinnerung bietet schon eine Vorahnung der Höhlen und Verstecke der Superhelden, in denen sie Andenken und Trophäen sammeln, wie etwa Superman in der „Festung der Einsamkeit“* oder Batman in der Bathöhle. Auch das Doppelleben ist beim Phantom vorweggenommen, wenngleich auf ungewöhnliche Weise: das Phantom entäußert sich erst seiner individuellen Persönlichkeit, um zum Helden zu werden, der dann seinerseits zusätzlich die Rolle des Mr. Walker annimmt, was für „the ghost who walks“ steht.«

1996 wurde ein folgenloser Versuch unternommen, Phantom auf die Leinwand zu bringen. Der unterschätzte Schauspieler Billy Zane („Titanic“) schaffte es trotz guter Kritiken auch mit dieser Rolle nicht, in Hollywoods A-Riege aufzusteigen.

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* Einen Schlupfwinkel dieses Namens hatte bereits der 1933 aufgetretene „Doc Savage“, siehe hierzu https://blog.montyarnold.com/2018/10/12/doc-savage-der-bronzemann-die-deutschen-taschenbuecher/

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