Sternstunde der Lenz-Festspiele

betr.: 100. Geburtstag von Siegfried Lenz (übermorgen) / das Hörbuch „Der Mann im Strom“ in der NDR-Mediathek

Der Autor und sein Star im Hamburger Hafen – Abb.: NDR / Homepage „Am Morgen vorgelesen“

Wenn TV-Promis mit Geld gezwungen werden, Hörbücher einzusprechen, sind die Ergebnisse normalerweise eher etwas für Fernsehzuschauer als für Hörbuchfans. 2006 kam es routinemäßig zu einer solchen Jobvergabe, als der Schauspieler und Hamburger Lieblingsbürger Jan Fedder in der Siegfried-Lenz-Verfilmung „Der Mann im Strom“ die Hauptrolle spielte und parallel dazu auch den Urtext von Siegfried Lenz für den NDR aufnahm. Die beschriebene Sorge war in diesem Fall besonders berechtigt, weil der Schauspieler („Großstadtrevier“) ja gerade für seine Schnodderigkeit und sein „Geht auch so“-Temperament vom Publikum geliebt wurde, Wesenszüge also, die die Interpreten vieler fragwürdiger Hörbücher am Mikrofon vor sich hertragen.
Das Wunder ist geschehen: „Der Mann im Strom“ ist ein Hochgenuss! Jan Fedder macht seine Sache so gut, dass ich mir kaum vorstellen kann, das Fernsehspiel könne da mithalten. (Zugegeben: Ich habe es vor 20 Jahren gesehen, aber keine Erinnerung mehr daran.) In der Verfilmung wurde aus dem 50jährigen Helden, der im Roman immerzu als „alter Mann“ beschrieben wird, ein 55jähriger gemacht, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass 50 ja „heute kein Alter“ mehr ist.

Die werktägliche NDR-Funkreihe „Am Morgen vorgelesen“ präsentiert die Lesung von Jan Fedder zurzeit in zehn Teilen, Anlass ist der hundertste Geburtstag des Schriftstellers Siegfried Lenz am kommenden Dienstag.* Bis Montagfrüh sind die ersten 5 Folgen noch auf der Homepage nachhörbar, dann faltet sich diese Gelegenheit wieder tageweise zusammen, und man muss sich das Hörbuch besorgen.
Macht nichts, es lohnt sich!
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Die Handlung: Paul Hinrichs ist Taucher und hilft bei der Bergung von Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Um trotz seines fortgeschrittenen Alters eine Anstellung zu erhalten, fälscht er sein Taucherbuch, macht sich zehn Jahre jünger. Tatsächlich bekommt er eine Stelle bei einer kleinen Bergungsfirma im Hamburger Hafen. Bei gefährlichen Einsätzen erwirbt sich Hinrichs Respekt. Doch dann holt die Vergangenheit den Familienvater ein. Die Situation eskaliert vollends, als Hinrichs Urkundenfälschung auffliegt.

Der 1957 veröffentlichte Roman „Der Mann im Strom“ gilt als eines der bedeutendsten Frühwerke von Siegfried Lenz. Das Buch thematisiert die existenzielle Not und den Kampf um Würde im Hamburger Hafenmilieu der Nachkriegszeit. Der 2019 verstorbene Schauspieler Jan Fedder bekam für seine Hauptrolle in der TV-Romanverfilmung 2006 den Deutschen Fernsehpreis.
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* Siehe auch https://blog.montyarnold.com/2025/11/22/29122/

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