Zum Tode von Scott Adams

Sein „Dilbert“ war Ende der 80er Jahre der erste Comic-Strip, der sich spezifisch mit dem Computerzeitalter auseinandersetzte – wenn es hier auch vor allem der (nicht weniger wichtige) Büro-Alltag war, in dem Scott Adams Ignoranz und menschliche Doofheit wie unter der Lupe vorführte. Mit einer so zutreffenden Satire einen derartigen Erfolg zu haben, ist an sich schon ein dolles Ding: in seinen Glanzzeiten erschien „Dilbert“ in 2000 Zeitungen weltweit und wurde in Bücher gebunden.

Dass Scott Adams nun von uns gegangen ist, ist der Endpunkt eines mählichen Siechtums, das ihn und seinen Helden zuletzt unserer Aufmerksamkeit entzogen hat. Allem Anschein nach war es ein qualvolles.
Erstmals aufgeschreckt wurde ich durch die Kurzmeldung in einer fachlichen Reklamepublikation, die bereits einen Endpunkt setzte: im März 2023 stellte Adams seinen Comic ein, nachdem viele Zeitungen „Dilbert“ abgesetzt hatten und er den Übrigen wohl zuvorkommen wollte. Das wiederum war bereits die Folge „des sorglosen Umgangs seines Schöpfers mit Aussagen, die ihm als rassistisch gedeutet wurden. Adams hatte angegeben, dass er sich bisher mit der Gruppe der Afroamerikaner identifiziert hätte, jedoch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Rasmussen seine Einstellung geändert habe. Darin hatten 47% der Afroamerikaner angegeben, dass sie die Aussage »It’s OK to be white« (einen von weißen Rassisten verwendeten Slogan) ablehnten. Adams gab an, dass er durch diese Umfrage bemerkt habe, dass er mit seiner Unterstützung und Identifikation mit der schwarzen Bevölkerungsgruppe der USA Teil einer »Hate Group« geworden sei, und empfahl, von Afroamerikanern Abstand zu halten.“
Das mag als Begründung, nach 40 Jahren die Freude an der eigenen Kunst verloren zu haben, unnötig und fadenscheinig sein, es ist dennoch ein aufschlussreiches Statement.
Später erfuhr ich, dass Adams sich schon 2006 als Holocaust-Zweifler hervorgetan und etwas später Misogynie zu einem männlichen Grundrecht erklärt hatte, selbstverständlich war er auch Covid-Impfskeptiker. Kurzum: das langsame Hinübersacken auf die rechte Seite, das sich bei in die Jahre kommenden Intellektuellen häufiger beobachten lässt.

Zuletzt war der Meister soweit, dass erDonald Trump persönlich um Hilfe anging. Im November 2025 bat er ihn auf „X“ um Unterstützung im Kampf gegen seine Krankenkasse: die verzögere ihm den Zugang zu einem dringend benötigten Prostatakrebs-Medikament. Trump versprach zu helfen.

Ich werde meine „Dilbert“-Comics in Ehren halten.

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