Fortsetzung vom 15. Juni 2015
In seinem Gedicht „Die Improvisation (M. B.)“ (November 1939) lässt der Physiker und Wissenschaftshistoriker Shmuel Sambursky (1900 in Königsberg – 1990 in Jerusalem) den Redner „M. B.“ „völlig von sich hingerissen“ selbst glauben, dass er die richtigen Worte für einen noch nicht geäußerten Gedanken findet – und dadurch zu einem selbstsicheren Vortrag gelangen. „Am rechten Ort“ hatte er aber alles schon aufgeschrieben, um es nicht zu „verfehlen“. Auch hier gilt: Thema (die Improvisation) verfehlt, setzen, sechs!
Noch steht er mit gesenktem Haupt, als fehle
zur letzten Klärung ihm nur jenes Wort,
das er schon längst, dass er es nicht verfehle,
sich aufgeschrieben hat am rechten Ort.
Dann löst die Hand sich, die noch eben schürfte
und suchend schon das Neue ahnen ließ,
und plötzlich sagt er es so stark, als dürfe
nun keiner daran zweifeln, dass ihm dies
erst jetzt gelang. Doch wie er seine Hörer
so sehr im Banne seines Wortes spürt,
dass sie voll Überraschung zu dem Lehrer
aufschauen, wird er auch dazu verführt,
dass er, nun völlig von sich hingerissen,
schon selber daran glaubt und ohne Scheu,
nicht mehr verkrampft, mit ruhigem Gewissen
und wiederholt, als sei es wirklich neu.