Der unscheinbare Kraftmensch

betr.: 84. Geburtstag von Bill Conti

Der Filmkomponist Bill Conti muss als ein Kleinmeister seiner Zunft gelten, des amerikanischen Soundtracks in dessen letzter wahrhaft spätromantischer Phase kurz vor der Jahrtausendwende. Aber auf diesem Gebiet hängt der Hammer ja insgesamt sehr hoch. Außerdem hat Conti auf  seinen Einstand als eng budgetierter Lieferant für die „Rocky“-Filmmusik – sie wurde ebenso legendär wie der Film an sich – immer wieder wahrhaft große Soundtracks folgen lassen. Nur kamen die nicht immer in großen Filmen vor, zuweilen sogar in Fernsehserien, was damals eine Herabstufung bedeutete.
Wer nicht schon dahintergekommen ist, den mag es immer wieder angenehm überraschen, wenn ihm ein Conti-Soundtrack begegnet.
Zu den zwielichtigen Orten, an denen man sich von seiner Kunst aufschrecken lassen kann, gehört der Film „Masters Of The Universe“, der unter haarsträubend unprofessionellen Bedingungen entstand und der am Freitag im Podcast „Kultfilm Azubis“ verhandelt wird.
Der Soundtrack hat eine tadellose sinfonische Partitur, die einem parodistischen Ansatz nachgeht: das Idiom der sich selbst zu ernst nehmenden „Sword And Sorcery“ wird so hingebungsvoll und handwerklich sauber aufs Wesentliche heruntergebrochen, dass das Ergebnis es jederzeit mit den ernstgemeinten Hochleistungen der Sparte aufnehmen kann (etwa mit James Horners „Krull“ oder mit „Taran und der Zauberkessel“ von Elmer Bernstein). Das passt zu einem Film, der kinderleicht zu schmähen und zu verwerfen ist, der aber erheblichen Charme besitzt. Und außerdem etwas, was es auf dem Gebiet der Fantasy jenseits komischer Nebenrollen überhaupt nicht gibt: Humor.
Contis Musik für „Masters Of The Universe“ – der 1987 alle Gattungs-Klischees und aktuelle Trends in sich aufsog und auf einer ihrerseits kopierfreundlichen Serie von Jungs-Spielzeugfiguren basierte – ist hin und wieder dafür kritisiert worden, sein Thema erinnere an „Superman“/Fanfare und Marsch von John Williams. Das ist nicht unrichtig, geht aber von der falschen Seite an die Sache heran. Auch Williams wollte und verfertigte eine Pastiche zum Thema „Superheld“. Das tat Conti auch – in der unmittelbaren Nachbarschaft, bei den Pulp-Barbaren -, kam zu einem benachbarten Ergebnis, schrieb jedoch ein wirklich welthaltiges Stück großer Filmmusik. Williams gab sich bei „Superman“ mit einem Jingle zufrieden, das ohne seinen Kontext wie ein überproduzierter Klingelton in sich zusammenfällt. Das schien ihm angemessen, und es genügte ja auch.
Ich schätze Bill Conti dafür, dass er immer erst etwas später zufrieden war.

Alle die genannten Kollegen Contis waren übrigens Groß-Meister der sinfonischen Filmmusik – oder galten doch als solche.

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