Die Outtakes von Ralf König (2): „Porky“ (i)

betr.: Erotischer Comic / Serie

In dieser Serie werden unveröffentlichte Zeichnungen von Ralf König vorgestellt: Skizzen, Vorstudien und Entwürfe, Outtakes, aber auch unvollendete Comics.

Logo-1

The Finest Surviving Elements

Parallel zur Entwicklung ihrer Hochkultur taten sich die Alten Römer auch in der Perfektionierung der Orgie und der Dekadenz hervor. Ihnen war gleichwohl die Schattenseite der Prasserei nicht unbekannt, wie eine ihrer klassischen Spruchweisheiten deutlich macht: „Post coitum animal triste“ – Nach der Paarung befällt Traurigkeit die Geschöpfe.
„Bullenklöten“ (1992, MännerschwarmSkript) markiert den Einbruch dieser Erkenntnis in die Comics von Ralf König. Von Anfang an hat es darin Notgeilheit, unerfüllte Sehnsucht, Krisen und die sprichwörtlichen „Pflaumenstürze“ gegeben, aber was sein Alter Ego Paul diesmal auszustehen hat, ist von einem anderen Kaliber. „Bullenklöten“ ist so etwas wie Ralf Königs Eintritt in den Expressionismus: Hader und Endlichkeit treten gleichberechtigt an die Seite der erotischen Tollerei. War „Kondom des Grauens“ (1987, Vogel Verlag) noch eine schrille Satire gewesen – ich habe seinerzeit sehr darüber gestaunt, wie sich die gesamte Schwulengruppe ostentativ schieflachte über das abgebissene Ei des coolen Bullen Luigi Macaroni – ist die Lage nun ernst.
Es ist kein Geheimnis, dass hier eine reale Liebesgeschichte verarbeitet wird, die im Leben des Autors einen Wendepunkt bedeutete.

Eigentlich hätte diese Geschichte „Porky“ heißen und mit einer idyllischen Rückblende beginnen sollen. Ich las sie 1991 – unmittelbar, nachdem Ralf die Arbeit daran abgebrochen hatte. „Es geht eigentlich nur ums Ficken“, war seine lapidare Begründung dafür. Er gestattete mir, das (wie üblich schon fertig ausgeführte) Fragment zu fotokopieren. Ich tat das in einem Kopierladen in seiner Nähe und fluchte über die erbärmliche Qualität der Ergebnisse – für 10 Pfennig das Stück. (Die Alternative wären spinneteure Farbkopien gewesen.)
Von „Porky“ existieren nur noch einige Seiten. Sie wurden für diese Präsentation mit dem Material aus dem halbseidenen Copyshop ergänzt, und so können wir in den nächsten Wochen 25 Jahre danach endlich die Geschichte lesen, ohne die es „Bullenklöten“ so nicht gegeben hätte.

Erinnern wir uns: zu dieser Zeit ist „Der bewegte Mann“ bereits ein Buch-, aber noch kein Filmerfolg. Ralf arbeitet mit Rasterfolien, und nicht alle seiner Stifte sind lichtecht. (Das erklärt die gelegentlichen verblassten und braun ausgesuppten Passagen.)
Der Stil der Zeichnungen ist deutlich von Claire Bretécher inspiriert, Ralfs großem Vorbild. Konrad und Paul sind noch beinahe gleich groß, und Nahaufnahmen von körperlichen Details werden hin und wieder durch einmontierte Fotos dargestellt – heute widmet sich Ralf gerade dem Stricheln männlicher Brustbehaarung mit besonderer Hingabe und Meisterschaft.
Und: “Porky“ ist ausdrücklich „Hardcore“ – wie die Opening Logos klarstellen. Das war „Bullenklöten“ bekanntlich auch, wenn auch unter der geänderten Serienüberschrift „Dicke Dödel 1“ satt „Hardcore Fun Nr. 1“.
Jacke wie Hose – viel Vergnügen!

Porky 01C

Porky 03C

Porky 04CPorky 05Porky 06Porky 07CPorky 08-9C
Fortsetzung folgt

Copyright aller Comics: Ralf König

Dieser Beitrag wurde unter Comic, Ralf König abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.