Unerhört

betr.: 60. Todestag von Oliver Hardy

Heute ist es fast unausweichlich, dass ein Schauspieler, der hin und wieder singt und dabei Talent beweist, auch eine Platte macht. In den seligen Zeiten, als die unterschiedlichen Sparten unserer Popkultur noch nebeneinander herliefen, konnte das unter den Tisch fallen. Selbst Marlene Dietrich, die von Anfang an in ihren Filmen (wenn auch ein wenig schief) gesungen hatte, kam erst spät und aus finanzieller Not auf die Idee, auch noch Konzerte zu geben.
Der wundervollste Tonträger, den es niemals geben wird, ist unzweifelhaft das „Oliver Hardy Songbook“.
Der mollige Komiker, den wir uns kaum ohne seinen Partner Stan Laurel vorstellen können, war eine Art Universal-Entertainer. Zunächst hatte er in einem Kino die noch stummen Werbefilme live besungen – und dann im Hauptprogramm Dinge gesehen, von denen er glaubte, sie eigentlich auch zu können.
In den Jahren vor der Partnerschaft mit Laurel spielte er alles, was gerade gebraucht wurde, auch Frauen (nicht etwa Transvestiten) oder – seiner Körperfülle entsprechend – bedrohliche unrasierte Finsterlinge.
Nachdem er und sein Partner die Hürde zum Tonfilm quasi nebenbei genommen hatten, sang Hardy hin wieder und offenbarte einen hinreißenden weichen Bariton. Die Eleganz dieser Vorträge bildete einen Gegenpol zu den Handfestigkeiten, denen die Herren im weiteren Verlauf der Handlung regelmäßig ausgesetzt waren. Als Stan Laurel ihn einmal als Duettpartner unterstützt, ist es dieser, der aus der gefühlvollen Ballade einen Novelty-Act macht, während Hardy seine Andacht bewahrt.

Eine Überraschung erlebte ich, als ich den Kurzfilm „Towed In A Hole“ zu ersten Mal im Original sah. Zu Beginn werben Stan und Ollie für ihre frischen Fische. Stan bläst in eine Tröte und Ollie proklamiert seine Botschaft. Im Originalton singt er einen kleinen Reklameblues, der in der deutschen Fassung (mit der ich ansonsten überglücklich bin) leider wegfällt.

Dass niemand auf die Idee gekommen ist, mit Oliver Hardy ein Album zu produzieren – mit Songs aus seinen Filmen, mit Vaudeville-Schlagern oder Ähnlichem, ist tragisch. Dass wir nie „Oliver Hardy sings Hoagy Carmichael“ hören werden oder „Way Down in Dixie – Ollie’s Sweetest Songs from The South“, ist ein schreckliches Versäumnis.

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