betr.: 205. Todestag von John Keats (morgen)
Ein Buch, das mich neugierig macht
John Keats, einer der wohl berühmtesten Dichter der englischen Romantik, starb am 23. Februar 1821, mit nur 25 Jahren an Tuberkulose in Rom. Zu Lebzeiten wurde er für seine Lyrik oft verspottet. Erst im Viktorianischen Zeitalter sorgten seine sinnlichen, auf Schönheit und Vergänglichkeit, Kunst und Natur konzentrierten Oden und Sonette für Furore. Über dieses dünnhäutige, exzentrische „Dichtergenie“ hat Fleur Jaeggi eine biografische Skizze verfasst. Sie ist in dem Band „Mutmaßliche Leben“* enthalten, den der Suhrkamp Verlag soeben vorgelegt hat und der neben Keats auch Thomas De Quincey und Marcel Schwob in den Fokus nimmt: drei Schriftsteller, denen die Welt viel zu winzig schien und die mit ihren Texten und ihren Spleens die Grenzen des Denkbaren sprengten:
„Sie hausten prekär, litten an Tuberkulose, verzweifelten an der Wirklichkeit. Sie waren Visionäre, Träumer, Genies – und hochgradig opiumabhängig. Sie experimentierten mit Lachgas, aßen rohes Fleisch, um »prachtvolle Träume« herbeizuführen, wähnten sich unter den Inkas und von »blauen Teufeln« umringt, glaubten, vergiftet worden zu sein, reisten Robert Louis Stevenson hinterher, und was sie suchten, blieb ihnen meist verborgen. Thomas De Quincey, John Keats, Marcel Schwob: Fleur Jaeggy legt mit „Mutmaßliche Leben“ drei biographische Skizzen von Schriftstellern vor, denen die Welt viel zu winzig schien und die mit ihren Texten und ihren Spleens die Grenzen des Denkbaren sprengten. Geschichten wie Rasierklingenschnitte – einschneidend und virtuos verdichtet erzählt Fleur Jaeggy von opiumabhängigen, halluzinierenden und irrwitzigen schriftstellerischen Genies.“ (Suhrkamp Verlagstext)
Fleur Jaeggy, 1940 in Zürich geboren, ist eine schweizerische und italienischsprachige Autorin, Ex-Model, Intellektuelle, Mystikerin, ehemals enge Vertraute Ingeborg Bachmanns, Witwe des Adelphi-Verlegers Roberto Calasso. Heute lebt sie weitgehend zurückgezogen in Mailand. Ihr weltweit gefeiertes Werk umfasst Romane, Erzählungen und Novellen, darunter “ Die seligen Jahre der Züchtigung“.
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Fleur Jaeggy, „Mutmaßliche Leben“. Aus dem Italienischen übersetzt von Barbara Schaden, Bibliothek Suhrkamp, 2026
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* Die Leseprobe des Verlags nimmt leider nur Thomas De Quincey in den Blick: https://www.suhrkamp.de/buch/fleur-jaeggy-mutmassliche-leben-t-9783518225653