betr.: Aktuelle Filmkritik
Bei Tess und Alex Novak steht die Scheidung ins Haus. Den beiden kleinen Söhnen macht das umso mehr zu schaffen, weil sie von ihren Eltern für dumm verkauft werden.
Alex gerät eher zufällig in die Open-Mic-Veranstaltung eines Comedy-Clubs. Er improvisiert einen Monolog über seinen Beziehungsstatus und wird vom Publikum freundlich aufgenommen. Seiner Familie will er nicht verraten, was in den nächsten Wochen geschieht: er steigt im „Comedy Cellar“ zum angesagten Performer auf.
„Is This Thing On“ ist ein Film von der Sorte, die Hitchcock als „Kitchen Sink Movies“ bezeichnete, eine Art Doku-Soap auf der Leinwand. Er zeigt uns sehr kleinbürgerliche Menschen, die unentwegt aufgekratzt sind, über eine Verwandtschaft verfügen, die ihre Kauzigkeit erbarmungslos vor sich herträgt, und deren Strategien sich nicht immer schlüssig nachvollziehen lassen (selbst der Erfolg auf einer urigen Stadtteilbühne wird hier zum Skandälchen aufgeblasen, das um jeden Preis geheimzuhalten ist). Die größte Sorge all dieser Leute: den Verdacht der Intellektualität zu erregen.
„Is This Thing On?“ ist ein Feelgood-Movie für Familienmenschen. Solche Filme gelingen am besten, wenn sie sich nicht allzusehr mit Botschaft und Subtext aufladen. Für Bradley Cooper, der das Drehbuch für seine dritte Regiearbeit zusammen mit seinem Hauptdarsteller Will Arnett verfasste, war die Welt der Stand-Up-Comedy faszinierendes Neuland: „Dieser Keller in Manhattan, in dem wir gedreht haben, ist ein magischer Ort. Das ist eine richtige Kultur. Ein eigenes Ökosystem, seit Jahrzehnten.“
Eine Show, in der jeder mitmachen kann und alle Applaus erwarten dürfen, ist ideal für jemanden wie Alex, der sich auf der Bühne therapieren möchte. Für den Besucher, der in einer solchen Spielstätte einen professionellen Kunstgenuss erwartet, vielleicht sogar Frechheit und Provokation, muss so ein Programm eine Folter sein. Man kann es eben nicht allen rechtmachen.
Bradley Cooper hat mit seiner Bestandsaufnahme nicht unrecht: die meisten Comedy-Clubs sind heute eher Begegnungsstätten für eine Community, die sich der Illusion eines freundlichen Miteinanders hingeben möchte. Eine Ablass-Praxis, vergleichbar der „guten Gesinnung“, derer man sich in früheren Zeiten im Kabarett versichern konnte.
„Kitchen Sink Comedy“ würde Hitchcock dazu sagen.
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Torben Sterner hat den Film in unserem Podcast so besprochen:
https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/is-this-thing-on-aktuelle-filmkritik