Jedenfalls nicht die Richtigen

betr.: Oscarverleihung 2026

In der „Spiegel“-Literaturbeilage „Beststeller“ protokolliert Lars-Olav Beier, was wir alle schon wissen, aber von Zeit zu Zeit sehr gerne lesen: „Bei den Oscars gewinnt (fast) immer der Falsche“. Gleich zu Beginn sekundiert er das mit einem etwas verdächtigen Bekenntnis zu seinen drei Lieblingsschauspielern (die freilich unprämiert geblieben sind): Cary Grant, Anton Wohlbrück und Steve McQueen. – Moment mal: Anton Wohlbrück? Hieß der nicht Adolf? Ein Blick in die Wikipedia verrät mir, dass nachsichtig betrachtet beides stimmt. Adolf Anton Wilhelm Wohlbrück wurde aber noch lange nach seinem Tod im Jahre 1967 unter seinem notorischen Rufnamen geführt, für den ja auch niemand schief angesehen werden kann, der drei Jahre vor seinem gruseligen Namensvetter zur Welt kam. (Ich lese / höre den Namen Anton in diesem Zusammenhang zum ersten Mal.)
Das ist die erste gute Nachricht für heute: die Faschos sind zwar auf dem Vormarsch, aber immerhin wird in der Sprachregelung fleißig die Geschichte aufgeräumt bzw. gefälscht.
Die beiden nächsten guten Nachrichten, sind schon seit zwei Monaten bekannt, erhalten aber am Tag der Oscarverleihung einen kleinen Aktualitätsschub:
Eine Neuerung im Regelwerk der Zeremonie ist die Tatsache, dass die Academy-Mitglieder fortan alle nominierten Filme in jeder Kategorie ansehen müssen, um sich an der finalen Abstimmung über die Oscar-Gewinner zu beteiligen. Darüber hinaus wird eine neue Preiskategorie für das Beste Casting („Achievement in Casting“) eingeführt.
Dass die Filme bisher nicht „alle“ angeschaut werden mussten, ist immerhin eine Erklärung dafür, dass bei den Oscars (fast) immer die Falschen gewonnen haben.

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