Der dankbare Glückspilz

Zum Tode von Mario Adorf

Das letzte Interview, das mir von Mario Adorf bekannt ist, gab er knapp 100jährig in St. Tropez. Und zwar einer TV-Zeitschrift, was der Sache zusätzliche flockig-terminfreie Leichtigkeit verlieh. Das passt zu diesem Glückspilz, zu einem Bundesbürger, der immer noch ein Bein im herrlichen Italien zu stehen hatte, dem großen Sehnsuchtsland der übrigen Bundesbürger. Er musste nicht einmal wirklich große Kunst herstellen – wenn es da auch viele illustre Projekte gegeben hat -, um vom Publikum im Abonnement geliebt zu werden. Keines von diesen Werken hat mich nachhaltig erreicht (Ausnahme weiter unten) oder sonderlich interessiert. Warum spreche ich trotzdem darüber? Mario Adorf vermittelte mir immer das Gefühl, sich der Sonne auf seiner Seite bewusst zu sein. In seine Lebensfreude mischte sich immer ein demütiger Schuss Bescheidenheit.

Vor etwa zehn Jahren Jahren war Adorf in der TV-Doku „Du sollst nicht langweilen – Billy Wilder“ als Zeitzeuge zu sehen. Völlig zu recht stehen bei der Betrachtung des Lebenswerkes dieses Regisseurs stets das Genie, die Erfolge und Leistungen im Vordergrund. Adorf war schon aus Gründen seiner Lebensdaten eher jemand, der den Meister in seiner Abenddämmerung antraf. Was der Schauspieler zu erzählen hat, ist bestrickend und fulminant, steht in keinem der zahlreichen Bücher über Wilder und verknüpft sich mit dem auf hochinteressante Weise missglückten, überaus sehenswerten Drama „Fedora“. Das ist ein Spätwerk wie es im Buche steht. Mario Adorfs Auftritt darin ist witzig und atmet die mediterrane Folklore, die auch seine Fans an ihm geschätzt haben. Besonders lustig ist er, als er die „Air-Condition“ einschaltet.

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