Die wiedergefundene Textstelle: „Auf einer einsamen Insel“

auch „Die einsame Insel“
von Robert T. Odemann

Nach einem Schiffbruch voller Grauen
Vor einem fernen Inselstrand
Eretten sich sechs schöne Frauen
Und auch ein Mann trieb auf den Sand
Das Eiland lag ganz weltvergessen
Mit seinem kleinen Palmenhain
Kein Völkerstamm hat hier gesessen
Nur Affen oder Papagein

Nachdem der Nervenschock verwunden
Die Katastrophe sich vergaß
Geschah es zu gewissen Stunden
Dass eine von den Frauen saß
Und heimlich nach dem Jungen schielte
Der ein Adonis, rank und schlank
Und eine zarte Regung fühlte
Kurz, alle wurden liebeskrank

Die älteste von ihnen sagte
Die ökonomisch talentiert
Obwohl’s den Andern nicht behagte:
„Jetzt wird der Bursche rationiert
Am Sonntag hat er seinen Schontag
Das ist schon biblisch festgesetzt
Dann nehme ich ihn mir am Montag
Katrin kriegt ihn am Dienstag jetzt
Am Mittwoch hat ihn die Germaine
Am Donnerstag die schwarze Lo
Freitags gehört er Madeleine
Am Samstag kriegt den Rest Dodo!“

Der Wochenspielplan wurde künftig
In strikter Weise durchgeführt
Natürlich war das unvernünftig
Oft saß der Junge deprimiert
Und starrte nach dem Horizonte
Weit wünschte er sich von hier weg
Weil er es kaum noch schaffen konnte
Dieweil er Mittel nur zum Zweck
Da, eines Tages in der Brandung
Da trieb auf einem Plankenstück
Ein Mann. Er half ihm bei der Landung
Zog auf den Strand ihn voller Glück

Umarmt ganz fest den Maskulinen:
„Grüß Gott, tritt ein, bring Glück herein!“
Erklärt‘ ihm mit erlösten Mienen:
„Jetzt teilen wir die Weiber ein
Und ich kann wieder Kräfte sammeln
Ein jeder von uns nimmt sich drei!“
Da fängt der and’re an zu stammeln
Erhebt ein klägliches Geschrei:
„Kommt mir nur eine in die Nähe
Erklimme ich den höchsten Baum
Mir wird schon krank, wenn ich sie sehe
Du, Starker, aber wärst mein Traum!“

Da ringt der Junge jäh die Hände
Und bricht am Strande in die Knie
Er jammert nur: „Das ist mein Ende
Jetzt ist mein Sonntag auch perdu!“

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