Vor bald 125 Jahren erschien „Buddenbrooks: Verfall einer Familie“, der 600-Seiten-Roman des 25jährigen Thomas Mann über die Geschichte der eigenen Familie, der ihm 1929 schließlich den Literaturnobelpreis einbrachte.
Auf ihrem Gebiet ist Gert Westphals Lesung fast ähnlich bedeutsam wie der Roman im Allgemeinen. Der „König der Vorleser“ („Die Zeit“) hat das Werk einst für den NDR eingelesen, redaktionell betreut von Hanjo Kesting. Derselbe Sender hat nun gemeinsam mit der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte (SBS) und dem rbb eine neue Version her- und bis April nächsten Jahres in die Mediathek gestellt. Mit 71 mal 25 Minuten ist sie vollständiger als die bei DAV verlegte Westphal-Fassung.
Neu-Interpret ist der Hamburger Schauspieler Thomas Sarbacher, der in der Schweiz lebt. Im rbb-Begleittext fehlt nicht der mich etwas irritierende Hinweis, Saarbacher verliehe dem Text „einen frischen, zeitgenössischen Ton“. Was soll das sein? Braucht man das bei einem so markanten Personalstil wie ihn Thomas Mann gepflegt hat? Im September 2024 sagte Tobias Wenzel in der DLF–„Lesart“ zu diesem Thema: „Gert Westphal […] ist eine Idealbesetzung. Denn aus seinem Mund klingt die heute oft etwas antiquiert erscheinende Sprache Manns ganz natürlich. […] Unendlich reicher fühlt man sich nach dem Hören […]. Reicher und tief beeindruckt von der Sprachgewalt Thomas Manns.“
Nun denn: jetzt kann sich jeder selbst überzeugen. Eine Hörprobe der alten Aufnahme findet sich unter https://www.der-audio-verlag.de/hoerbuecher/buddenbrooks-verfall-einer-familie-mann-thomas-978-3-7424-3348-0/

Die 71 Folgen:
1. Thomas Mann erzählt die Geschichte einer Kaufmannsfamilie über vier Generationen. Er ist in Lübeck aufgewachsen, sein Vater war dort Senator. Die Stadt und seine Familie nahm er sich als Vorlage für seinen Roman. Geschrieben hat er ihn der erst 25-Jährige dann in München, wohin seine Familie nach dem Tod des Vaters übersiedelt war.
Wir schreiben das Jahr 1835 …
2. Alle vierzehn Tage laden Konsul Johann Buddenbrook und seine Gattin Antoinette in ihr Haus in der Mengstraße ein. Heute sind der Dichter Hoffstede und Pastor Wunderlich zu Gast. Selbstverständlich mit dabei sind der Sohn des Hauses, Jean Buddenbrook, mit Gattin Elisabeth und ihren drei Kindern Thomas, Antonie und Christian. Nicht anwesend ist Gotthold Buddenbrook, ein Sohn des Familienoberhaupts aus erster Ehe. Von ihm wird gleich die Rede sein, während sich die Gesellschaft zum Essen in den Speisesaal begibt…
3. Es ist große Gesellschaft im Haus der Familie Buddenbrook. Während des Essens wird über Politik gesprochen: In Frankreich hat die Juli-Monarchie den Bürgern mehr Rechte eingeräumt. Konsul Jean Buddenbrook sympathisiert mit diesen neuen Entwicklungen – Weinhändler Köppen, Makler Grätjens und Senator Langhals stimmen ihm zu. Mit am Tisch sitzen Pastor Wunderlich und der Dichter Hoffstede. Nur der alte Buddenbrook steht dem Fortschritt skeptisch gegenüber.
4. Im ersten Teil des Romans stellt uns der Erzähler die Familie Buddenbrook und ihr Haus in der Mengstraße vor. Alle zwei Wochen donnerstags ist große Gesellschaft geladen. Nach einem opulenten Mahl hat Konsul Jean Buddenbrook seine Gäste diesmal in den Billard-Salon gebeten. Mit dabei sind Makler Grätjens, Weinhändler Köppen und Senator Langhals. Draußen herrscht stürmisches Wetter. Beim Spiel diskutieren die Herren über den jüngst gegründeten Zollverein. Konsul Buddenbrook schwärmt: der Zollverein werde den Handel zwischen den deutschen Ländern erleichtern…
5. Wir sind bereits im „Zweiten Teil“ des Familienromans angekommen und schreiben das Jahr 1838. Die Kaufmannsfamilie Buddenbrook hat Nachwuchs bekommen: ein viertes Kind – nach Thomas, Antonie und Christian. Die Zimmer der großzügigen Stadtvilla sind für die Entbindung getauscht worden: Die Großeltern Johann und Antoinette bewohnen das Zwischengeschoss, während sich die Eltern, Konsul Jean Buddenbrook und seine Gattin Elisabeth, in deren Schlafzimmer eingerichtet haben. Direkt daneben, im Frühstückszimmer, trägt der Vater jetzt stolz die Neuigkeit in die Familienchronik ein.
6. Die elfjährige Antonie Buddenbrook legt ihren Schulweg oft mit Julchen Hagenström zurück, der Tochter eines reichen Kaufmanns. Tony weiß, dass ihr Vater, Konsul Buddenbrook, nicht gut zu sprechen ist auf seinen Konkurrenten. Erstens lebt er noch nicht lange in der Stadt, und zweitens fühlt er sich von ihm in seinen Geschäften behindert. „Einen ollen Stänker“ nennt Buddenbrook Hinrich Hagenström, und er berichtet von konkreten Vorfällen, wo er sich von ihm behindert fühlte.
7. Ein Generationenwechsel hat sich vollzogen im Hause Buddenbrook. Erst ist Antoinette Buddenbrook gestorben, kurz darauf ihr Mann Johann. Zuvor hatte er seinem Sohn Jean offiziell die Firma übertragen, der ohnehin schon länger die Geschäfte führt. Wen er nicht berücksichtigt hat, ist sein Sohn aus erster Ehe. Der 46-jährige Gotthold – Betreiber einer einfachen Leinenhandlung – hatte gehofft, dass der alte Buddenbrook seine Meinung kurz vor dem Tod noch ändert. Nun erfährt er von seinem Stiefbruder Jean, dass er vom verstorbenen Vater keine Erbschaft zu erwarten hat.
8. Zwei seiner Kinder machen Jean Buddenbrook Probleme. Der 14-jährige Christian verehrt eine Schauspielerin des Stadttheaters und schenkt ihr öffentlich Blumen. Und Antonie, ein Jahr älter als Christian, wurde mit einem Gymnasiasten bei gemeinsamen Spaziergängen gesehen. Sogar Briefe soll sie heimlich mit ihm ausgetauscht haben. Entwicklungen, die Konsul Buddenbrook unterbinden will, indem er Tony aufs Mädchenpensionat von Fräulein Weichbrodt schickt.
9. Buddenbrooks haben unerwarteten Besuch bekommen. Bendix Grünlich, ein Geschäftsmann aus Hamburg, trifft die Familie beim Nachmittagskaffee im Gartenhaus an. Er gibt vor, nicht stören zu wollen. Doch Konsulin Buddenbrook lädt ihn ein, Platz zu nehmen. Die Kinder Thomas, Christian und Antonie sind mit Lektüre beschäftigt.
10. Tony Buddenbrook steht unter Schock. Sie soll Bendix Grünlich heiraten, einen Hamburger Geschäftsmann, der ihr von Grund auf zuwider ist. Ihr Vater, Konsul Buddenbrook, hat ihr am Frühstückstisch den Antrag Grünlichs eröffnet. Mit Engelszungen hat er auf sie eingeredet. Jetzt sitzt Tony allein mit ihrer Mutter am Tisch und versucht, ihre Fassung wiederzugewinnen. Sie will wissen, wie die Konsulin über darüber denkt.
11. Tony Buddenbrook ist in einer Zwangslage. Sie soll den Hamburger Kaufmann Bendix Grünlich heiraten, einen Geschäftspartner ihres Vaters. Ihre Eltern drängen sie dazu, und selbst Pastor Kölling fordert sie von der Kanzel der Marienkirche herab dazu auf. Grünlich hatte Tony mehrfach besucht und sie auf unangenehme Weise emotional zu erpressen versucht. Sie magert ab und verliert ihre Lebensfreude – was ihren Vater, Konsul Buddenbrook, veranlasst, Tony für die Sommermonate ans Meer zu schicken, nach Travemünde ins Haus von Lotsenkommandant Schwarzkopf.
12. Tony Buddenbrook verbringt den Sommer in Travemünde, um wieder zu Kräften zu gelangen. Die bevorstehende Hochzeit mit dem Hamburger Kaufmann Bendix Grünlich belastet sie, an der Ostsee findet sie Ablenkung. Beim Frühstück unterhält sich Tony mit Morten Schwarzkopf, dem Sohn ihrer Gastwirte. Er studiert Medizin in Göttingen und hat mit seiner Geradlinigkeit schnell Tonys Neugierde geweckt.
13. Tony Buddenbrook hat sich in Travemünde mit Morten Schwarzkopf angefreundet. Er ist der Sohn des Lotsenkommandanten Schwarzkopf. In seinem Haus verbringt Tony ihre Sommerferien. Morten ist Medizinstudent und politisch engagiert. Bei einem gemeinsamen Ausflug zum Seetempel, einem Pavillon mit herrlicher Aussicht aufs Meer, schildert er leidenschaftlich seine Vision einer gerechten Gesellschaft: ohne Privilegien des Adels, mit gleichen Rechten für alle Bürger.
14. Bendix Grünlich lässt nicht locker. Er hat Tony Buddenbrook einen Ring geschickt und sie an ihr „Versprechen“ – wie er behauptet – erinnert, ihn zu heiraten. Tony aber hat sich mit Morten Schwarzkopf verlobt, einem Medizinstudenten, den sie während ihres Sommerurlaubs in Travemünde kennengelernt hat. Ihre Pläne teilt sie ihrem Vater, dem Konsul Buddenbrook, in einem Brief mit. Er antwortet unmissverständlich: er werde diese Verbindung nicht akzeptieren. Sein Brief erreicht Tony kurz vor Ende ihres Urlaubs an der Ostsee.
15. Tony Buddenbrook ist wieder zu Hause. Ihre Sommerferien hat sie in Travemünde an der Ostsee verbracht und sich dort in den Medizinstudenten Morten Schwarzkopf verliebt. Dass er diese Verbindung nicht dulden würde, hatte ihr Vater ihr schriftlich mitgeteilt. Zurück in der Mengstraße, versucht Tony tapfer, sich ihrem Schicksal zu fügen, das ihre Hochzeit mit dem verhassten Kaufmann Bendix Grünlich aus Hamburg vorsieht. Sie blättert in der Familienchronik – und wird sich so ihrer Stellung in der Familie bewusst.
16. Thomas Buddenbrook hat sich von Anna verabschiedet, einer Blumenverkäuferin, seiner heimlichen Geliebten. Er geht nach Amsterdam, wo er seine Studien als Kaufmann absolvieren wird. Und auch Tony Buddenbrook ist aufgebrochen – nach Hamburg, mit ihrem Gatten Bendix Grünlich, den sie aus Vernunftgründen geheiratet hat. Von dort schreibt sie auch den Brief, der den vierten Teil des Romans eröffnet.
17. Im Oktober des Jahres 1848 brodelt es in der Stadt. Es geht ums Wahlrecht. Obwohl der Stadtrat eine neue, moderne Verfassung beschlossen hat, fordern viele – vor allem Arbeiter und junge Leute – ein „allgemeines Wahlrecht“. Konsulin Buddenbrook ist besorgt, weil ihr Gatte sich auf den Weg zur Bürgerschaft macht – trotz der Unruhen auf den Straßen. Dem Tuchhändler Benthien wurde bereits eine Scheibe eingeschlagen. Jean Buddenbrook verspricht, spätestens um fünf Uhr wieder zu Hause zu sein.
18. Die Revolution ist ausgebrochen in der Stadt. Die Bürgerschaft tagt im Sitzungssaal, und vor dem Gebäude tobt die Menge. Den Herren im Saal bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis sich die Lage beruhigt. Der alte Konsul Kröger empört sich über die Dreistigkeit der Protestierenden, während sein Schwiegersohn Jean Buddenbrook zur Tat schreitet. Angespornt von Makler Gosch spricht er zu den Menschen, die die Bürgerschaft belagern. Sie verstummen, als Konsul Buddenbrook sie auf Platt – in ihrer Sprache – auffordert, ihre Anliegen vorzutragen.
19. Antonie Buddenbrook, verheiratete Grünlich, lebt mit ihrem Gatten und ihrer dreijährigen Tochter Erika in Hamburg. Sie hat sich arrangiert mit ihrem Schicksal, aber sie ahnt, dass Bendix Grünlich finanzielle Schwierigkeiten hat. Er weigert sich, ein Kindermädchen einzustellen, meidet gemeinsame gesellschaftliche Anlässe und versagt ihr alle Wünsche. Tony konfrontiert ihren Mann mit Vorwürfen, als Herr Kesselmeyer auftaucht. Dieser etwas seltsame Bankier bedient Grünlich regelmäßig mit Krediten.
20. Bendix Grünlich, der Gatte von Antonie geborene Buddenbrook, hat sich in den Bankrott gewirtschaftet. In einem Brief bittet er seinen Schwiegervater um finanzielle Hilfe. Jean Buddenbrook eilt nach Hamburg und bespricht sich erst mit seiner Tochter. Ob sie Grünlich so sehr liebe, dass sie ohne ihn nicht leben könne, fragt er sie. Worauf Tony mit einem heuchlerischen „Ja“ antwortet…
21. Konsul Buddenbrook hat sich entschieden: er wird seine Tochter Antonie mit der dreijährigen Erika zu sich nach Hause nehmen. Bendix Grünlich, sein Schwiegersohn, hat Bankrott gemacht und jegliches Vertrauen verspielt. Noch hofft Grünlich auf einen Zuschuss seines Schwiegervaters. Von Bankier Kesselmeyer hat er über die Jahre Kredite bekommen, die er damit abzahlen könnte. Während Jean Buddenbrook Einblick in die Geschäftsbücher nimmt, dämmert ihm allmählich, welches Spiel Grünlich und Kesselmeyer gespielt haben…
22. Wir befinden uns an einer Stelle der Handlung, die wiederum ein halbes Jahrhundert früher spielt – genauer: im Februar 1850. Antonie hat ihre Scheidung von Bendix Grünlich eigenhändig in die Familienchronik der Buddenbrooks eingetragen. Sie wohnt jetzt mit ihrer Tochter Erika wieder im Haus ihrer Eltern. Ihr Mann hatte betrügerisch gewirtschaftet, und ihr Vater konnte und wollte Grünlichs Firma nicht vor dem Konkurs retten. Tony hat ihren Stolz und ihre Lebensfreude wiedergewonnen.
23. In der Geschichte der Familie Buddenbrook sind wir im Spätsommer des Jahres 1855 angelangt. Alle warten auf Konsul Jean Buddenbrook, denn angesagt ist ein Sonntag-Nachmittagsspaziergang mit der befreundeten Familie Kistenmaker. Besonders ungeduldig ist Tony – obwohl sie weiß, dass ihr Vater gesundheitliche Probleme hat und die Dinge langsam angehen soll. Auch ihre Mutter, die Konsulin, und ihr Bruder Tom sind schon bereit zum Aufbruch. Die kleine Schwester Clara und ihre Cousine Klothilde sind auch da, werden aber beim Ausflug nicht dabei sein. So warten sie…
24. Das Familienoberhaupt Konsul Jean Buddenbrook ist gestorben, und jetzt wird seine Nachfolge geregelt. Sein Sohn Thomas soll die Geschäfte weiterführen, gemeinsam mit dem langjährigen Prokuristen des Vaters, Herrn Marcus. Bei der Testamentseröffnung ist selbstverständlich Antonie Grünlich anwesend, und auch Konsul Justus Kröger wird dazugebeten, der Bruder der Witwe Elisabeth Buddenbrook.
25. Christian Buddenbrook ist angekommen. Der Tod seines Vaters war der Anlass, nach acht Jahren Abwesenheit in England und Südamerika in seine Heimatstadt zurückzukehren. Christian erzählt von seinen Abenteuern und seinen Leidenschaften – dem Theater und den Frauen. Er wirkt exzentrisch auf seine Geschwister, sie machen sich Sorgen. Tom fühlt sich in seiner Kaufmanns-Ehre angegriffen. Mit seiner Schwester Tony ist er sich einig: es gehe doch schließlich darum, etwas zu leisten!
26. Onkel Gotthold ist gestorben. Der Halbbruder von Jean Buddenbrook war in Ungnade gefallen, weil er nicht standesgemäß geheiratet hatte und nur einen kleinen Laden betrieb. Sein Neffe Tom, Nachfolger seines Vaters als Inhaber der Firma Buddenbrook, hatte sich versöhnlich gezeigt, indem er ihm den Titel „Konsul“ überlassen hatte. Jetzt steht er am Totenbett des Onkels und reflektiert dessen Leben: Fantasie hat ihm gefehlt, denkt er, Idealismus und Enthusiasmus…
27. Im Hause Buddenbrook finden immer häufiger „christliche Andachten“ statt. Konsulin Buddenbrook lädt dazu ein. Auch Pastoren sind regelmäßig zu Gast. So kommt es, dass Pastor Sievert Tiburtius aus Riga die jüngste Tochter, Clara, kennenlernt. Eine Verlobung wird verabredet, was ganz den Wünschen der Konsulin entspricht. Im folgenden siebten Kapitel des fünften Teils des Romans berichtet auch Thomas, der sich geschäftlich in Amsterdam aufhält, von einer neuen Bekanntschaft.
28. Im Sommer 1856 herrscht Hochstimmung im Hause Buddenbrook: es gibt gleich zwei Verlobungen. Gefeiert wird die Verbindung von Thomas Buddenbrook mit Gerda Arnoldsen, einer Schulfreundin seiner Schwester Tony – und Clara verlobt sich mit Pastor Tiburtius. Nach Reden und Musik – Gerda spielt mit ihrem Vater Duos auf der Geige – wird beschlossen, dass Clara und Tiburtius direkt nach Weihnachten heiraten werden, Thomas und Gerda dann zu Beginn des nächsten Jahres in Amsterdam.
29. Antonie Grünlich ist zu Besuch in München, bei einer Freundin aus Schulzeiten. Dort lernt sie den Hopfenhändler Alois Permaneder kennen, ein bayerisches Original. Tony ist fasziniert von allerlei Münchner Eigenarten, wie sie in einem Brief an ihre Mutter berichtet, den die Konsulin am Frühstückstisch vorliest. Bruder Thomas amüsiert sich.
30. Der Konflikt zwischen den Brüdern Thomas und Christian Buddenbrook spitzt sich zu. Anlass für den Streit sind Bemerkungen Christians in dem Klub, den er regelmäßig besucht. Er soll sich über den Kaufmannsstand, lustig gemacht, also sein eigenes Metier verspottet haben. Tom stellt Christian zur Rede. Er wirft ihm vor, sein Leben als Possenreißer im Café und im Theater zu verbummeln, anstatt zu arbeiten. Christian widerspricht nicht, im Gegenteil: er stimmt seinem Bruder zu. Sie seien beide eben sehr verschieden…
31. Alois Permaneder ist zu Besuch bei Buddenbrooks. Der Hopfenhändler spricht ausgeprägten bayrischen Dialekt. Er hatte Antonie Grünlich in München kennengelernt – und will sie wiedersehen. Sein Auftritt erstaunt und irritiert zugleich. Die Konsulin versteht ihn kaum, Tony ist sichtlich erfreut, ihr Bruder Thomas gibt sich alle Mühe, ein freundlicher Gastgeber zu sein – und auch die Haushälterin Ida Jungmann ist verblüfft über Permanders seltsame Sprache und seine fröhliche Ungeniertheit.
32. Tony Grünlich geborene Buddenbrook hat sich entschieden: sie will Alois Permaneder heiraten und zu ihm nach München ziehen. Er sei „nicht schön, aber ein grundguter Mann“, vertraut sie sich ihrer Haushälterin Ida Jungmann an. Sie fühle sich nicht ausgelastet, sagt sie. Sie will ihre erste Ehe „wieder gut machen“ und die Ehre der Familie wieder herstellen. Doch noch hat ihr Permaneder keinen Antrag gemacht…
33. Antonie Buddenbrook ist entschlossen, Alois Permaneder zu heiraten. Die Buddenbrooks unternehmen einen Familienausflug – die Gelegenheit für Permaneder, Tony einen Antrag zu machen. Das ist der Plan, doch die Sache gestaltet sich mühsam. Beim Spaziergang im Umland ziehen sich alle diskret zurück und überlassen Tony und Permaneder dem Zwiegespräch. Doch Permaneder schweift ins Allgemeine ab und lästert über Tonys geschiedenen Ehemann. Tony wird ungeduldig.
34. Thomas Buddenbrook geht es gut. Seine Firma floriert, seine Gattin Gerda schmückt ihn, und sein Ansehen in der Stadt wächst. Probleme bereiten ihm sein Bruder Christian, der in Hamburg erfolglos wirtschaftet, seine Schwester Clara, die in Riga unter Kopfschmerzen leidet – und die Tatsache, dass bei ihm selbst noch keinen Nachwuchs in Aussicht steht. Aber auch seine Schwester Tony macht ihm Sorgen. Sie lebt mit Alois Permaneder in München.
35. Tony Permaneder ist aus München geflohen – zurück in ihr Elternhaus. Ihrer Mutter, der Konsulin, erzählt sie, was sie erleben musste: Alois Permaneder, ihr Gatte, hatte sich in betrunkenem Zustand über die Köchin hergemacht. Nachts habe sie die beiden erwischt. Sie sei fest entschlossen, nie wieder zu ihm zurückzukehren, sagt Tony – auch wenn Permaneder versucht habe, die Sache herunterzuspielen…
36. Unter keinen Umständen will Tony Permaneder wieder zurück nach München. Sie ist in ihr Elternhaus geflohen, nachdem sie ihren Mann beim Begrapschen der Köchin ertappt hat. Ihr Bruder Thomas hat kein Interesse, dass der Fall an die Öffentlichkeit dringt. Er fürchtet um den guten Ruf der Familie. Doch Tony ist aufgewühlt. In München hat sie sich nie wohlgefühlt. Und sie stimmt Thomas zu, als er meint, nicht ihren Mann verabscheue sie, sondern die ganze Stadt.
37. Es gibt wieder Anlass zur Freude im Hause Buddenbrook: Konsul Thomas Buddenbrook und seine Frau Gerda haben Nachwuchs bekommen! Voller Stolz kann Antonie Permaneder, die Tante, ihre Vergangenheit hinter sich lassen – ihre zweite gescheiterte Ehe mit Alois Permaneder, der glücklicherweise sofort in die Scheidung eingewilligt hat und sogar die Mitgift zurückzahlt. Wir befinden uns am Beginn des siebten Teils des Romans, schreiben das Jahr 1861, und erleben die Taufe des Knaben, dessen Geburt nicht einfach gewesen ist.
38. Wir sind im siebenten Teil des Romans – und es geht auf und ab mit der Familie Buddenbrook. Im ersten Kapitel haben wir von der Taufe des kleinen Hanno gehört, im zweiten Kapitel hat Christian seinem Bruder Thomas den Ausstieg aus seinem Geschäft in Hamburg gestanden. Er sei überfordert, gesundheitlich angeschlagen, außerdem müsse er Alimente bezahlen. Thomas ist außer sich, gestattet Christian aber, nach London zu gehen und dort eine Stelle zu suchen. Im folgenden Kapitel steht die Wahl eines neuen Senators an…
39. An einem Tauwettertag Ende Februar 1861 wird ein neuer Senator gewählt. Noch ist nichts entschieden. Größte Konkurrenten von Thomas Buddenbrook sind der Weinhändler Eduard Kistenmaker und Konsul Hermann Hagenström. Vor dem Rathaus hat sich eine Menschenmenge versammelt, die Stimmung ist aufgeheizt. Ein Gerücht macht die Runde: Hagenström soll die Wahl für sich entschieden haben. Doch Gewissheit verschaffen erst die beiden Ratsdiener, als sie den Weg durch die Menge zum Wohnhaus des neugewählten Senators einschlagen.
40. Thomas Buddenbrook ist Senator geworden und hat mit seiner Frau Gerda und seinem Sohn Hanno ein stattliches neues Haus bezogen. Der kleine Hanno hat eine ernsthafte Erkrankung überstanden, auch durch die Pflege von Ida Jungmann, dem langjährigen Kindermädchen der Familie. Eben ist Tony Permaneder zu Besuch bei Senator Buddenbrook, ihrem Bruder – mit einem Anliegen, das bei einem Spaziergang durch den Garten besprochen werden soll…
41. Senator Thomas Buddenbrook ahnt: der Anfang vom Ende ist da. Seit er in sein neuerbautes Haus gezogen ist, reißt die Unglückssträhne nicht ab. Seine Mutter hat über seinen Kopf hinweg verfügt, das Erbteil der verstorbenen Schwester Clara an den Witwer, Pastor Tiburtius, auszuzahlen. Auch sein Bruder Christian, selbst bedürftig und krank in einer Hamburger Klinik liegend, war ihm in den Rücken gefallen. Viel Geld verloren hat er durch die zweite unglückliche Ehe seiner Schwester Tony. Und zu alledem herrscht Krieg im Jahr 1866. So dass auch wichtige Geschäftspartner ausgefallen sind.
42. Tony Permaneder ist überglücklich, denn ihre Tochter Erika hat den Versicherungsdirektor Erich Weinschenk geheiratet. Zu dritt bewohnen sie eine frisch renovierte Mietwohnung. Ihr Bruder Christian Buddenbrook lebt auch wieder in der Stadt. Gesundheitlich angeschlagen, versteht er es dennoch, ganze Gesellschaften köstlich zu unterhalten. Eben gibt er im Hause Weinschenk Geschichten zum Besten, die er in London und Valparaiso erlebt hat…
43. Tony Permaneder hat sich lange mit ihrem Bruder, dem Senator Thomas Buddenbrook, unterhalten. Sie setzt sich für ihre Freundin Armgard von Schilling ein, die den mecklenburgischen Gutsbesitzer Ralf von Maiboom geheiratet hat. Wegen Spielschulden ist er in Schwierigkeiten geraten. Tony bittet ihren Bruder nun, Maiboom die Ernte abzukaufen, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Der Senator durchschaut Tonys Vorliebe für den Adel und lehnt das zweifelhafte Geschäft entschieden ab – vorerst. Im folgenden dritten Kapitel des achten Teils des Romans besucht Tony ihren Neffen Hanno.
44. Thomas Buddenbrook geht es nicht gut. Die Geschäfte laufen nicht wie früher. Der 42-Jährige fühlt sich alt, er glaubt, seine Souveränität zu verlieren. Auch der jüngste Vorschlag seiner Schwester Tony beschäftigt ihn: Sollte er dem strauchelnden Gutsbesitzer von Maiboom nicht doch eine Ernte abkaufen? Grübelnd fragt er sich, ob er der Härte des Geschäftslebens überhaupt gewachsen ist.
45. Die Firma Buddenbrook besteht seit 100 Jahren. Eigentlich wollte Senator Thomas Buddenbrook das Jubiläum gar nicht feiern, doch kann er es nicht übergehen, das ist er seinem Ruf in der Stadt schuldig. Seinem Barbier klagt er am Morgen des Festtags sein Leid: er habe Kopfschmerzen, wenn er an die Empfänge, Gratulanten und Diners den ganzen Tag bis in die Nacht hinein denke…
46. Senator Thomas Buddenbrook hat einen harten Tag zu überstehen: es wird das 100-jährige Bestandsjubiläum seiner Firma gefeiert. Unablässig kommen Gratulanten. Im Salon seines Hauses nimmt Buddenbrook die Glückwünsche entgegen. Nach dem Bürgermeister waren zahlreiche Konsuln erschienen, Doktor Grabow, Baumeister Voigt und Pastor Pringsheim sind auch schon da, Herren des Senats, der Bürgerschaft und der Handelskammer ebenfalls. Um halb zwölf ist die Hitze des Juli-Tags bereits unerträglich stark…
47. Gerda, die Frau des Senators, hat die Musik ins Haus Buddenbrook gebracht. Sie spielt hervorragend Geige – eine Stradivari – und wird regelmäßig vom Organisten der Marienkirche, Herrn Pfühl, am Flügel begleitet. Sie kann ihn sogar von der Musik Richard Wagners überzeugen, die er als „zu modern“ eigentlich ablehnt. Der kleine Hanno lauscht stundenlang fasziniert, wenn seine Mutter und Herr Pfühl musizieren.
48. Musik ist Thomas Buddenbrook fremd. Enttäuscht muss er feststellen, dass die Musik, die Leidenschaft seiner Gattin Gerda, sich auf ihren Sohn Hanno übertragen hat. Beim Gedichte aufsagen – da scheitert Hanno. Aber eigene Kompositionen auf dem Klavier vorzuspielen, damit kann der Achtjährige seine Familie begeistern. Seinem Vater bleibt diese Begabung unverständlich.
49. Der achtjährige Hanno Buddenbrook hat sich mit Kai Graf Mölln angefreundet. Die beiden gehen gemeinsam zur Schule, und Kai verbringt viel Zeit bei den Buddenbrooks. Nachdem sie ihre Rechenaufgaben erledigt haben, liest Ida Jungmann, Hannos Kindermädchen, Märchen vor. Bald versucht Kai sich selbst als Geschichtenerzähler, und er verwebt dabei Wirkliches mit Geheimnisvollem…
50. Das Weihnachtsfest 1869 steht unter keinem guten Stern bei Buddenbrooks: Hugo Weinschenk, Erikas Mann und Tonys Schwiegersohn, soll Versicherungsbetrug begangen haben. Die Sache liegt jetzt beim Staatsanwalt. Dennoch trifft sich die Familie am Weihnachtsabend im Haus der Konsulin. Sie hält fest an der alten Tradition – im Gedenken an ihren „seligen Jean“, wie sie sagt, und „zu Ehren Jesu“…
51. Der Weihnachtsabend bei Buddenbrooks wird opulent gefeiert. Im Mittelpunkt steht der kleine Hanno, der von seiner Großmutter, der Konsulin, ein Harmonium geschenkt bekommt. Besonders freut er sich über ein Puppentheater. Diese Leidenschaft teilt er mit seinem Onkel Christian. Der improvisiert eine kleine Szene mit den Figuren des Theaters, die sofort für gute Laune sorgt. Doch dann bricht er ab und verabschiedet sich in den Klub, nicht ohne Mahnung an seinen Neffen, sich mehr mit ernsten Dingen zu beschäftigen.
52. Weihnachten ist vorüber. Beim kleinen Hanno hat das Fest viele Eindrücke hinterlassen. Was über aller Feierlichkeit schwebte – worüber aber eisern geschwiegen wurde – das ist der bevorstehende Prozess gegen Hugo Weinschenk, den Schwiegersohn von Tony Permaneder. Dem Versicherungsdirektor wird Betrug vorgeworfen. Ausgerechnet Staatsanwalt Moritz Hagenström, ein Spross der reichen Hagenström-Familie, wird die Anklage vertreten. Tony schlägt die Sache auf den Magen.
53. Konsulin Elisabeth Buddenbrook liegt im Sterben. Die Ärzte – der alte Doktor Grabow und der junge Doktor Langhals – beschwichtigen die Familie zwar. Dennoch ist klar, dass es nicht mehr lange dauern wird. Eine katholische Pflegerin, Schwester Leandra, wird eingestellt. Die Konsulin selbst fühlt, dass zu vieles in ihrem Leben noch ungeklärt ist, um ruhig Abschied nehmen zu können.
54. Der Todeskampf der Konsulin Elisabeth Buddenbrook war furchtbar. Eine Qual, auch für die Angehörigen. Unmittelbar nach dem Ableben bemächtigt sich das Hauspersonal der Wäsche. Antonie Permaneder ist empört, ihr Bruder Thomas beschwichtigt sie: das Weißzeug sei wertlos. Er möchte die Verzeichnisse sehen, es geht ums Erbe.
55. Die Brüder Thomas und Christian Buddenbrook haben sich einen erbitterten Streit geliefert. Es geht ums Erbe. Christian beansprucht Wäsche und Essgeschirr für sich, da er vorhat zu heiraten – wohl wissend, dass seine verstorbene Mutter einer Ehe mit der Tänzerin Aline Puvogel nie zugestimmt hätte. Der Streit eskaliert, als Christian ankündigt, auch die Kinder der Tänzerin adoptieren zu wollen. Thomas droht ihm mit „Vernichtung“. Wütend verlässt Christian den Raum.
56. Elisabeth Buddenbrook wird feierlich zu Grabe getragen – im Herbst 1871 ist die Konsulin verstorben. Der kleine Hanno muss Abschied nehmen von seiner Großmutter. Seine Eltern, Tante Antonie und Cousine Erika nehmen die Beileidsbekundungen entgegen bei der Trauerfeier im Haus der Familie in der Mengstraße. Pastor Pringsheim hält eine Rede, dann zieht der Zug der zahlreich Versammelten zum Friedhof, wo der Pastor noch einmal spricht.
57. Nach dem Tod der Konsulin Buddenbrook muss das herrschaftliche Haus der Familie in der Mengstraße verkauft werden. Ausgerechnet Hermann Hagenström ist interessiert. Antonie Permaneder verachtet ihn, seit er sie als Kind geküsst hat. Nun ist er ein reicher Kaufmann, und er braucht Platz für seine große Familie. Sein Haus in der Sandstraße werde ihm zu eng, sagt er – fast entschuldigend – bei einer Besichtigung zu Thomas Buddenbrook und seiner Schwester Tony. Auch der schrullige Makler Gosch ist mit dabei.
58. Wir sind bereits im zehnten Teil des Romans angelangt. Das Familienhaus in der Mengstraße ist verkauft, Tony Permaneder ist mit ihrer Tochter Erika Grünlich und Enkelin Elisabeth in eine Mietwohnung gezogen, und auch Christian Buddenbrook hat sich eine Wohnung genommen, in der Nähe des Klubs. – Senator Thomas Buddenbrook hegt düstere Gedanken. Mit seinen 46 Jahren fühlt er sich „unaussprechlich müde und verdrossen“, alles ist leer in ihm, der Alltag strengt ihn an, er fühlt sich gehetzt. Seine Marotten lassen ihn nicht los.
59. Hanno Buddenbrook ist inzwischen elf. Sein Vater möchte ihn zu einem „tüchtigen“ Nachfolger heranziehen. Doch Hanno interessiert sich nicht für Sport, auch pflegt er keine Freundschaften zu den Ehrgeizigen unter seinen Mitschülern. Gut versteht er sich mit seinem Freund Kai, der am liebsten abenteuerliche Geschichten erzählt. Hanno spielt dazu Musik und macht Theater, anstatt zu den schulischen „Turnspielen“ zu gehen, wie es sein Vater wünscht.
60. Hanno Buddenbrook genießt seine Schulferien am Ostseestrand von Travemünde. Dort fühlt er sich wohl, weit weg vom Schulalltag. Sicher hat Thomas Mann seine eigene Kindheit vor Augen gehabt, wenn er Hannos Sommerfrische mit Baden, Kurkonzerten und leckerem Essen beschreibt. Am liebsten wäre ihm, wenn die vier Wochen niemals zu Ende gingen…
61. Gerda Buddenbrook, die Frau von Senator Thomas Buddenbrook, spielt leidenschaftlich Geige. In letzter Zeit erhält sie regelmäßig Besuch eines jungen Offiziers: Leutnant von Trotha ist in allen Opern und Konzerten zu sehen, pflegt aber sonst kaum Kontakte mit den Familien der Stadt. Er spielt mehrere Instrumente – und trifft sich mit Gerda Buddenbrook zum gemeinsamen Musizieren in ihrem Salon. Zu oft, wie machen meinen – auch Thomas Buddenbrook ist unruhig.
62. Senator Thomas Buddenbrook ist 48 Jahre alt und befindet sich in einer tiefen Krise. Seiner Frau Gerda unterstellt er ein Verhältnis mit dem jungen Offizier von Trotha, er fühlt sich krank, und die Entwicklung seines Sohnes Hanno bereitet ihm Sorgen. Er liest Schopenhauer und ahnt, dass er dem Tod entgegengeht. Dieser Gedanke fühlt sich beinahe tröstlich an – wie etwas Verheißungsvolles…
63. Die Brüder Thomas und Christian Buddenbrook fahren gemeinsam an die Ostsee. Doktor Langhals hat Thomas ein paar Wochen Urlaub in Travemünde empfohlen – um seine Nerven zu beruhigen. Christian spricht schon lange von gesundheitlichen Problemen, seinen Beruf als Kaufmann hat er ganz aufgegeben. Die Brüder treffen im Kurhaus ein und begegnen dort Sigismund Gosch, ihrem alten Makler.
64. Thomas Buddenbrook verlässt das Rathaus früher als sonst – obwohl dort die Bürgerschaft tagt. Es ist ein schmuddeliger Januartag des Jahres 1875. Der Senator schlägt einen ungewöhnlichen Weg ein. Von Stephan Kistenmaker, einem früheren Schulfreund, wird er prompt angesprochen: ob der die Sitzung schwänze? Thomas Buddenbrook beißt die Kiefer zusammen…
65. Thomas Buddenbrook ist tot. Der Senator musste sich einer Zahn-Operation unterziehen, war dann auf der Straße ohnmächtig geworden und gestürzt. Kurz darauf ist er zu Hause gestorben. Am Sterbebett ist – neben Doktor Langhals und der Pflegeschwester Leandra – die Familie versammelt: seine Frau Gerda und seine Geschwister Antonie und Christian. Der Bruder betrachtet das kalte Gesicht des Toten…
66. Im elften und letzten Teil hören wir, was nach dem Tod von Senator Thomas Buddenbrook passiert. Christian ist nach Hamburg gezogen und hat dort geheiratet – seine Tänzerin, was ihm sein Bruder verboten hatte. Wie von Thomas testamentarisch verfügt, wird die Firma aufgelöst und verkauft. Dass er damit seinen Sohn Hanno übergangen hat, schmerzt vor allem Antonie Permaneder. Die Pläne ihrer verwitweten Schwägerin Gerda, mit Hanno zu ihrem Vater nach Amsterdam zu übersiedeln, kann Tony fürs Erste verhindern.
67. Hanno Buddenbrook ist sechzehn. Mit seiner Mutter wohnt er in einer kleinen Villa außerhalb des Zentrums. Im Stadttheater hat er am Sonntagabend „Lohengrin“ gesehen, die Opernvorstellung, die er lange ersehnt hatte. Am Montagmorgen verschläft er. Die Schule erreicht er gerade noch rechtzeitig vor Beginn der ersten Stunde. Völlig außer Atem betritt er das Klassenzimmer…
68. Die Schule wird zum Albtraum für Hanno Buddenbrook. Er sitzt unvorbereitet im Religions- und Lateinunterreicht und fürchtet um seine Versetzung, falls er geprüft werden sollte. Doch er hat Glück. Nach den ersten Stunden verbringt er mit seinem Freund Kai Graf Mölln schweigsam die Pause auf dem lärmenden Schulhof. Ein jugendlicher Oberlehrer namens Goldener versieht die Pausenaufsicht…
69. Quälend dehnen sich die Unterrichtsstunden für Hanno Buddenbrook, wenn die Lehrer einzelne Schüler examinieren. In der Lateinstunde lässt Oberlehrer Mantelsack einen nach dem anderen Ovid rezitieren. Mehrere seiner Kommilitonen versagen, Mantelsack verliert die Geduld und gerät in Zorn. In diesem Augenblick hört Hanno seinen Namen…
70. Der Autor schildert einen Tag im Leben von Hanno Buddenbrook – inspiriert von seinen eigenen verstörenden Schulerlebnissen. Im Lateinunterreicht bei Doktor Mantelsack hat Hanno Glück, ein Mitschüler rettet ihn beim Aufsagen des Ovid. Jeder der Lehrer setzt auf autoritäre Methoden. Am gefürchtetsten ist Direktor Wulicke, genannt „der liebe Gott“. Nur Kandidat Modersohn steht auf verlorenem Posten. Er wird der Horde Siebzehnjähriger nicht Herr – bis plötzlich Unerwartetes geschieht…
71. Nach einem langen Schultag sitzt Hanno Buddenbrook am Klavier und improvisiert. Er beginnt unruhig suchend, steigert sich in Melodie und Akkorden, wird immer stürmischer, verzweifelter. Hanno durchlebt in seiner Musik ganze Welten: er tötet Drachen, erklimmt Felsen, durchschwimmt Ströme und durchschreitet Flammen. Es sind Schreie, die eine überwältigende Sehnsucht ausdrücken, eine Begierde …