Notes On A Podcast: David Lynch

betr.: 80. Geburtstag von David Lynch (morgen)

David Lynch wird dafür geliebt, dass er so rätselhaft ist. Und dass sein Grusel so schwer zu fassen ist. Viele seiner Fans haben im Grunde die gleichen Probleme mit ihm, die ich auch habe. Es stört sie aber nicht. „Mulholland Drive“ ist ein gutes Beispiel. Ich habe mich über die Jahre mit vielen Freunden und Kollegen über diesen Film unterhalten. Keiner von ihnen versteht ihn – so weit, so gut. Mich ärgert das, weil ich fest davon überzeugt bin, dass David Lynch ihn selbst nicht versteht, dass er ihn als Geschichte gar nicht interessiert. Es geht ihm nur um die Effekte. (Was tun die anderen inzwischen? Die denken vielleicht „Hui, alles so schön düster hier“ …)

Vor Kurzem gab es auf arte eine sehr aufschlussreiche Doku über David Lynch, es ist vielleicht ein halbes Jahr her. Da trafen wir ihn in seiner Werkstatt. Er hatte ein großes Atelier, ein richtiger Arbeitsplatz für einen bildenden Künstler. Dort sieht man ihn Monsterköpfe modellieren und wie er das alles filmt und Lichtstimmungen ausprobiert. Er stellt seine Spezialeffekte in Handarbeit her, das ist sehr sympathisch.
Als ich ihm da so zuhörte und ihm zusah, wie er im grauen Arbeitskittel in Knetmassen herumrührt und Stromleitungen legt, da erkannte ich: das hat alles Hand und Fuß. Aber es ist nichts für mich. Mir entstand der Eindruck eines Künstlers, der seine Bilder zuerst erschafft – der sie „malt“ – und der sie dann in seinem nächsten Projekt unterbringt. Handlung und Logik sind ihm wurscht. Mir aber nicht. Für mich ist sowas eher Performancekunst – eine sehr feine Sache, aber ich sehe lieber Filme. Diese Doku hat mir nachträglich verraten oder bestätigt, was mich mit David Lynch fremdeln lässt. Ohne dass ich seine Filme deswegen mit anderen Augen sehe. Ich mochte sie nicht, ich mag sie nicht.

Der Film von David Lynch, der mich im Rückblick am meisten überzeugt hat – ich habe ihn lange nicht gesehen – ist „Der Elefantenmensch“, ein Drama aus seiner Frühphase, Anfang der 80er. Bei diesem Film musste er noch viele Kompromisse machen und hatte seinen Personalstil auch noch nicht voll ausgeprägt. Die Lynch-Fans wollen sowas natürlich nicht hören. Genauso – und aus denselben Gründen – bin ich auch einer der Wenigen (der einzige?), die das Kubrick-Frühwerk „Lolita“ für einen von dessen besten Filmen halten.

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