Das Wort „Kolumne“ stammt aus der Zeit der Printmedien. Als die ersten Zeitungen gedruckt wurden, waren die Seiten so breit, dass die Schriftsetzer den Text in engere Spalten zerlegen mussten, um ihn übersichtlich und lesbar zu halten. Außerhalb des Fachjargons etablierte sich das Wort dafür als Name einer Textgattung, die Stefan Kuzmany im aktuellen „Spiegel“ so beschreibt:
Die Textform der Kolumne ist eine sehr spezielle Art des Journalismus. An einem festen, wiederkehrenden Ort schreiben der Kolumnist oder die Kolumnistin regelmäßig, meist wöchentlich, in extremen Fällen auch täglich, einen Text von – so ist das jedenfalls in Printprodukten – immer gleicher Länge: die Kolumne. Es gibt Kochkolumnen und welche übers Segelfliegen, solche über Kindererziehung und welche über Gartenpflege. Die Königsdisziplin jedoch (…) ist die personalisierte Kolumne. Sie hat keine thematische Vorgabe, es geht in ihr allein um den, der sie verfasst.
Populäre Beispiele sind „Pooh’s Corner“ von Harry Rowohlt (wegen des kultiviert-schlampigen Schöpfers sehr unregelmäßig, aber von bleibendem Wert), „Miss Moneypenny“ von der ersten „Miss Moneypenny“ Lois Maxwell oder die Texte des großen Art Buchwald. Ist der Autor ein Chefredakteur, heißt seine Kolumne „Editorial“ und eröffnet das Heft.
Häufig sind solche Texte humorig (siehe oben), gern wird das Format aber auch mehr oder weniger offen zum politischen Sprachrohr seines Helden gemacht. Eine solche Kolumne …
… muss radikal subjektiv sein, sie braucht ein klares Ziel. Das macht ihren Reiz aus. Und ihr Risiko: Manchmal verfehlt sie ihr Ziel. (…) Die Kolumne erhebt den erlebten Einzelfall zum gefühlten Gemütszustand. Der Kolumnist sieht die Dinge so, wie er sie sehen möchte. Und dann sind sie auch so. Kein Grund, sich ernsthaft zu hinterfragen. (…)
Viele Journalisten verachten diese Textform, weil sie – so der Vorwurf – meist ohne Recherche auskommt, keinen Nachrichtenwert hat und stattdessen lediglich das Ego des Kolumnisten ausbreitet. Ebenso wahr ist aber, dass viele der Kolumnenverächter insgeheim selbst gern eine eigene Kolumne hätten. Bekommen sie aber nicht, weil sie nicht geschmeidig schreiben können. Gleichzeitig sind Kolumnisten keine beneidenswerte Spezies. Der Redaktionsschluss naht, die Seite ist leer, der Kolumnist blättert nervös in seinen Notizen, da hatte er doch jüngst noch einen originellen Gedanken zur späteren Verwendung skizziert?
»Man sieht den armen Kerlen förmlich an, wie sie nach Luft schnappen und taumeln«, beschrieb es der seinerseits brillante Journalist Tom Wolfe in seiner Anthologie »The New Journalism« aus dem Jahr 1973. »Sie verdursten. Ihnen fehlt der Stoff. … Immer wenn man einen Kolumnisten sieht, der verzweifelt versucht, Material aus seinem Zuhause, aus Artikeln, Büchern oder dem Fernsehen zu schöpfen, hat man es mit einer hungernden Seele zu tun.«