Angebote an den Volksmund

Im Verkaufsfernsehen von Tele 5 habe ich heute morgen ein neues Wort aufgeschnappt, das zwar spontan einleuchtet, aber dann doch nicht funktioniert. Beim Anpreisen eines Verjüngungsproduktes (gegen Lach- und Stirnfalten und noch Schlimmeres) war von „Marionettenfalten“ die Rede. Das Wort „Merkel-Falten“ wurde gleich noch hinterhergeschickt, um eventuelle Irritationen glattzubügeln.
Die tiefen Falten, die ein reifes Gesicht ausbildet, um die Innenseiten seiner Hängebacken vom Rest zu trennen, sind mit „Marionettenfalten“ nicht hilfreich umschrieben. Nur gerontische Marionetten haben dieses Problem, also ein geringer Prozentsatz. Die markankten Mundwinkel-Vertiefungen, die hier beschworen werden, zeichnen eine andere Gattung aus: die Bauchredner-Puppe. Auch beim klassischen Nussknacker ist dieses Merkmal nicht zu vermeiden.
Einerseits ist der Volksmund immer fröhlich dabei, wenn er einen Tipp bekommt, wie sich unsere Muttersprache weiter verunstalten lässt, aber der erwähnte Ausdruck ist kein Anglizismus und somit ziemlich uncool.
Ich behalte die Sache im Auge.   

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Ein Kommentar zu Angebote an den Volksmund

  1. DirkNB sagt:

    Immerhin wurden die Irritationen gebügelt. Es ist zu vermuten, dass im Verkaufsfernsehen gegen ehrlich erworbene Lachfalten mehr agitiert wird als gegen künstlich verspachelte Faltenfreiheit, liegt wohl in der Natur der Sache, da man an Natürlichkeit nix verdienen kann. 😉

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