Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Der Lyriker wie SF-Autor Thomas M. Disch resümiert die Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, schließlich in den Achtzigerjahren mit dem Bekenntnis, dass der von vielen Stimmen der New Wave geteilte Gedanke, SF pflege, wie Lyrik, ein besonderes Verhältnis zur Metapher, der die Protagonistinnen und Protagonisten der Bewegung zur Anfertigung diverser „quasi-narrative Poems“ verführt hatte, für sich genommen unfruchtbar gewesen sei: Man hatte zu viel Gewicht auf das gelegt, was bei Hegel „Aussprechen“ heißt, und zu wenig auf den „Ausdruck“ – Dischs Pointe war, dass die „experimentelle“ SF diese Schwäche mit der Zeitgenössischen Lyrik teile, welche nach Entdeckung der Reimlosigkeit, des freien Zeilenfalls und anderer Prosa-Importe auf einen Kurs geraten sei, an dessen Zielpunkt die „contemporary poetry“ sich zwischen erstens Konfession, zweitens kurzer (soll heißen: weniger als hundert Verse), semisurrealistischer Vignette und drittens bloßem Gedankenornament als rhetorische Gebärde des Nichteinverstandenseins („expostulation“) in die Belanglosigkeit habe verirren müssen – die Kapitulation der Lyrik vor der Prosa auf ihrem ureigensten Territorium.

Dietmar Dath: „Niegeschichte“ Matthes & Seitz Berlin

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