betr.: 129. Geburtstag von Douglas Sirk
Es ist bekannt, dass der deutsche Regiestar Rainer Werner Fassbinder seinen französischen Kollegen Claude Chabrol nicht mochte. In einem Aufsatz für die Filmbuchreihe des Hanser Verlags schmähte er ihn als „kopf- und gedankenlosen“ Verächter seines Publikums und wies sogar das Lob anderer zurück: „Chabrols Blick ist nicht der eines Insektenforschers, wie oft behauptet wurde, sondern der eines Kindes, das eine Anzahl von Insekten in einem Glaskäfig hält und abwechselnd staunend, erschrocken oder lustvoll die merkwürdigen Verhaltensweisen seiner Tierchen betrachtet. Ganz nach eigener Verfassung, das mag mit gutem oder schlechtem Schlaf, gutem oder schlechtem Essen zusammenhängen, verändert er die Haltung seinen Tieren gegenüber. Er hat also keine Haltung, die wechselt.“
Ganz anders bei Douglas Sirk, einem Landsmann, den die Flucht vor den Nazis nach Hollywood gebracht hatte.
Fassbinder war ein notorischer Schnellfilmer. 1970 hatte er zehn Filme und ein Hörspiel gemacht, von der Theaterarbeit ganz zu schweigen. Dann sah er im Winter 1970 eine Retrospektive von Douglas Sirk, dem wir die schönsten Melodramen Hollywoods verdanken. Begeistert zitierte er „Sirk hat gesagt, Film, das ist Blut, das sind Tränen, Gewalt, Hass, der Tod und die Liebe.“ Und machte im folgenden Jahr nur einen einzigen Film, den „Händler der vier Jahreszeiten“. Sofort sprach man vom besten deutschen Film der Nachkriegszeit und davon, Fassbinder habe seinen Stil gefunden. Es blieben ihm noch zehn Jahre, ihm zu fröhnen.