Der Song des Tages: „Inka Dinka Doo“

betr.: 101. Geburtstag von Harry James / Jimmy Durante

Der Song „Inka Dinka Doo“ ist als Kabinettstückchen der Unterhaltungsgeschichte immerhin so wichtig, dass er in „That’s Entertainment 2“ kurz angespielt wird, in jenem Kompilationsfilm, in dem Fred Astaire und Gene Kelly durch die Highlights des MGM-Musicals führen, die der erste Teil der Reihe übriggelassen hat. In dieser kurzen Sequenz entdeckte ich den Komiker Jimmy Durante (Komponist und Ur-Interpret des Songs) und erblickte erstmalig meinen klassischen Lieblingsjazzer Harry James in bewegten Bildern.

Durante„Manchmal singe ich so hübsch, dass ich mir selbst das Herz breche!“ – Durantes Dauerbrenner auf dem deutschen Tonträgermarkt.

Jimmy Durante ist der Inbegriff des Vaudeville-Entertainers, ein Dinosaurier, der es in den Film und damit bis ins Youtube-Zeitalter geschafft hat. Sein Humor war – auf dem ersten Blick – deftig, krachend, physisch und verdrängend. Der alte Wicht mit der Riesennase und der Krächzstimme war aber auch zu allergrößter Zartheit und Poesie in der Lage, wie seine Schallplattenaufnahmen beweisen. Er trägt Songs wie „As Time Goes By“ oder den „September Song“ nicht nur außerordentlich wirkungsvoll vor, er macht sie sich auch sofort völlig zueigen, unabhängig davon, wer das zuvor schon versucht oder geschafft hat.
Durantes Ursprünge in der Music Hall haben sich in Form einer Körperlichkeit erhalten, die ich seit Jahren in endlosen Wiederholungen studiere, ohne ansatzweise hinter ihr Geheimnis zu kommen. Ich lache noch immer wie beim ersten Mal über seine mimischen Gags, seine Arm-Arbeit, seine Verbildlichungen kleiner und allerkleinster Alltagsgefühle: Rechthaberei, Spitzfindigkeit, Erstaunen, Hinterlist, Rührung.
In einer Nummer mit der Musical-Nixe Esther Williams kommt er mit Frack, Zylinder und einem Astaire-Stöckchen auf die Bühne. Das Lied handelt von Steuern, Provisionen und anderen Abzügen. Darüber ärgert er sich so sehr, dass er nach wenigen Zeilen mit einer blitzschnellen Zuckung, die den gesamten Oberkörper erschüttert, Hut und Stöckchen beiseitewirft. So oft ich diese Nummer ansehe, ich bin jedesmal überrascht von dieser Bewegung und dem Geräusch, das die Gegenstände machen, wenn sie auf der Bühne aufprallen.
Durante war ein Liebling der Branche, der in zahllosen Künstlerbiographien mit warmen Worten bedacht wird. Er engagierte sich auch in der Radio-Comedy, wo er z.B. die Wagner-Diva Helen Traubel für das komische Fach begeisterte. Im ersten Film der „That’s Entertainment“-Reihe hat ein Filmclip überlebt, in dem der alte Durante dem blutjungen Sinatra in einer knappen Minute die wichtigsten Entertainer-Posen zeigt – man vermisst keine einzige.

„Inka Dinka Doo“ war bald nach seinem ersten Erklingen in dem Film „Palooka“ 1934 Durantes Erkennungslied, und er zitierte es immer gern in anderen Filmen. In „Two Girls And A Sailor“ trägt er es quasi im Duett mit Harry James und seiner Band vor. Es kommt zu einer Unterhaltung zwischen dem singenden und quasselnden Durante, dem Trompeter und Bandleader James und den diversen Orchestermusikern – ein alter Hut, eine Säule der braven Varieté-Unterhaltung, tausendmal gesehen. Durchaus – aber nie wieder so frech und beglückend wie hier.

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