Jens Riewa im Bussi-Bär-Modus

betr.: Fernsehkritik

Seit Dezember 2020 ist Jens Riewa Chefsprecher der „Tagesschau“, deren Hauptausgabe um 20 Uhr er bereits seit 1995 präsentiert. Das sieht man neuerdings daran, dass in diesem „Hochamt des Deutschen Fernsehens“ Nachrichten nicht nur mehr verlesen, sondern auch moderiert werden dürfen (jedenfalls vom Chef). Was in den Augen schlichter Fernsehschaffender hip wirken mag, muss keine Verbesserung sein. Dieser Effekt ließ sich jahrelang in den „heute“-Nachrichten im Zweiten Programm beobachten. Unvergessen sind die leutselig gemeinten Mimikverrenkungen des damaligen Nachrichtensprechers Peter Hahne, der die Mundwinkel mit dem gleichen Aufwand auch wieder herunterziehen musste, wenn es nach einer „heiteren“ Meldung die nächste unerfreuliche zu vermelden gab.

Die heutigen 20-Uhr-Nachrichten mit ihrem wichtigen Fußballspiel hat Jens Riewa natürlich zur Chefsache gemacht. Und er lässt es sich nicht nehmen, das freudige Ereignis mit einer Attitüde zu präsentieren, die besser zu einer Volksmusiksendung passen würde. Gleich danach geht es um das Sommerinterview mit dem notorisch glücklosen Olaf Scholz, und Riewa muss prompt wieder auf ernste Miene umschalten.
Das ist ein Affentheater, dass es mit seinem verstorbenem Vorgänger und Förderer Werner Veigel nicht gegeben hätte. Als der einmal verdächtigt wurde, er müsse doch in seiner langen Karriere auf diesem Platz auch mal gelächelt haben, sagte er sinngemäß, das könne nur ein Irrtum sein. Was lehrt uns diese Anekdote? Man kann auch ohne Fratzen sehr sympathisch rüberkommen.
Die „Tagesschau“ war in ihrer bisherigen hanseatischen Form der beste Beweis dafür.

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