betr.: 20. Todestag von Anna Moffo
Das erste Mal sah und hörte ich die große Opernsängerin Anna Moffo 1985 in einer ZDF–Operettengala – im da und dort üblichen Vollplayback. Die Zeit solch einschlägiger Formate war da im Deutschen Fernsehen schon vorbei, und auch die große Opernsängerin war bereits „well past her prime“.

Anna Moffo mimt Lehár – ZDF 1985
Michael Blees, der die Diva zum 20. Todestag auf Ö1 würdigt, erzählt, was ihre Ehe mit Länge und Verlauf der Karriere zu tun hat: Der Filmregisseur „Mario Lanfranchi war Produzent der Schallplattenfirma RCA und beim italienischen Fernsehen. 1957 haben Anna Moffo und Mario Lanfranchi geheiratet. Bei der RAI hat Anna Moffo gleich in mehreren Opernverfilmungen mitgewirkt, und sie wurde – dank ihres Mannes – zum Star der RCA-Opernschallplattenproduktionen. Später allerdings, nach der Scheidung, hatte sich Anna Moffo auch beklagt, dass ihr Mann sie viel zu früh und viel zu schnell zu immer neuen Rollen verleitet hat. Nun, vielleicht mit ein Grund für die nicht allzu lange Karriere der Sängerin.“
Wäre ihre Laufbahn länger gewesen, wenn sie auf Rollen verzichtet hätte, die auch dramatische Kraft erfordern, wie beispielsweise die „Butterfly“ oder die Nedda im „Bajazzo“? Auf jeden Fall ist die eigentliche Opernlaufbahn der Moffo in den mittleren 1970er Jahren zu Ende gegangen, und ihre Ankündigungen, in einem neuen Fach an frühere Triumphe anzuknüpfen, sind nicht wahr geworden. Sie ließ sich noch auf einige fragwürdige Film- und TV-Projekte ein und war – siehe oben – auch für ZDF-Shows erschwinglich.
In den mittleren 1950er Jahren hat die Welt-Karriere der in Pennsylvania geborenen Anna Moffo begonnen, und es waren nicht nur das außergewöhnliche Timbre der Sängerin und ihre in frühen Jahren bemerkenswerte Gesangstechnik, die die schnelle Entwicklung der Sängerin beflügelt haben, sondern auch ihr optisches Erscheinungsbild. Der Dirigent Eugene Ormandy soll einmal nach einem Gesangswettbewerb gesagt haben: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand, der so schön ist, gut singen kann; also schloss ich die Augen, und Anna Moffo gewann allein dank ihrer Leistung.“
Sehr früh sang sie in Wien und Salzburg, an der Mailänder Scala und in Neapel, in Aix-en-Provence und Chicago. Ende der 50er Jahre hat sie an der New Yorker Metropolitan Opera debütiert, an der sie mehr als 200 Mal aufgetreten ist: in Rollen des Belcanto-Repertoires, als Verdi– und Mozart-Sängerin, aber auch als lyrische Mélisande in „Pelléas et Mélisande“ und in allen vier Frauenpartien in „Hoffmanns Erzählungen“. Ihre letzten Opern-Gesamtaufnahmen entstanden in den 70er Jahren.