Der wundersame Lückentext

Mindestens dann, wenn ich nichts oder wenig über jemanden weiß, ist der unverwüstliche „Proust’sche Fragebogen“ ein gutes Mittel, mich für jemanden einzunehmen (oder eben nicht). Wahrscheinlich ist genau das einst der Sinn und Zweck dieses „Gesellschaftsspiels“ gewesen.
Im aktuellen „F.A.Z. Quarterly“ zieht mich die Autorin / Moderatorin / Schauspielerin / Podcasterin Sophie Passmann so auf ihre Seite.
Wo sie leben möchte: „Wenn mir kalt ist, Los Angeles, wenn mir warm ist, New York. Niemals Berlin.“ (Hihi…)
Auf die Frage nach dem Lieblingsmaler bekennt sie sich zu einer einschlägigen Bildungslücke, bei ihrem größten Fehler zu Selbstmitleid und Fatalismus.
An einer Stelle beklagt sie kokett Prousts Obsession mit Heldentum, findet dieselbe bei Heldinnen dann zwar „natürlich viel einfacher“, macht aber doch ein selbstironisches Eselsohr in ihre Antwort, das für Wokeness-Militaristen unsichtbar ist.
Wo immer möglich, ohne dadurch unernst zu werden, erschafft sie kleine Pröbchen hübscher Literatur. Das vollkommene irdische Glück: „Frisch geduscht in meinem frisch bezogenen Bett liegen, eine Serie gucken, die mich wirklich interessiert, und dabei irgendwas essen, was auf der Decke keine nachhaltigen Krümel hinterlässt.“

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