betr.: 48. Jahrestag der deutschen TV-Erstausstrahlung von „Quo Vadis“
Es ist von angemessen bitterer Ironie, dass das Niveau der deutschen Synchronisation sich ausgerechnet heute – da die Namen ihrer Mitwirkenden endlich allgemein zugänglich sind und sogar am Ende von Filmabspännen aufgelistet werden, da sie ein Maximum an Aufmerksamkeit auf sich zieht und in unzähligen Laberpodcasts ausdiskutiert wird – qualitativ auf einem historischen Tiefpunkt befindet.*
Der Schauspieler, Weltbürger und Universal-Entertainer Peter Ustinov (ein russisch-britisches Sprachwunder) hat zu einer Zeit gewirkt, da sich unsere Synchronarbeit handwerklich und personell auf einer Höhe befand, die jeden internationalen Filmstar hätte glücklich machen müssen.
Die für Ustinovs Karriere wichtigste Rolle war 1951 die das irren Kaiser Nero in „Quo Vadis“ gewesen, und von dem guten Dutzend möglicher Idealbesetzungen, die zu diesem Zeitpunkt unsere Ateliers bevölkerten, wählte man Alfred Balthoff aus, einen leisen, sanften, etwas hintergründigen Charakterkopf, dessen Darbietung dazu beitrug, dass „Quo Vadis“ und seine schräge Gesangseinlage auch im deutschen Sprachraum zu einem Hit wurden, auf dem sich eine lebenslange Popularität aufbauen ließ. – Einige werden sich noch erinnern: gerade in der Bundesrepublik war Peter Ustinov bis ins hohe Alter ein Publikumsliebling.
Dem beschriebenen Niveau unserer Synchronbranche entsprechend, hatte der Weltstar sich nie über eine mangelhafte Eindeutschung zu beklagen. Am besten passte sicher Alexander Welbat zu ihm, der sogar mit einer identischen Stimme aufwarten konnte.
1978 spielte Peter Ustinov erstmalig die Rolle, die das „Quo Vadis“ seiner Alterskarriere werden sollte: „Tod auf dem Nil“ mit einem etwas füllig gewordenen, blendend aufgelegten Hercule Poirot im Mittelpunkt eines All-Star-Ensembles.
Hier war Horst Niendorf seine deutsche Stimme, auch er ein stimmlicher Doppelgänger des Originals.
Als die Poirot-Filme in Serie gingen, kam Ustinov leider seine Eitelkeit in die Quere – und eine Vielzahl kulturfremder Speichellecker, die ihm immer wieder beim Sekt-Empfang zugeraunt haben werden: Mensch, Sir Peter, du kannst doch selber so gut deutsch. Synhronisier’ dich doch einfach selbst.
Heute wäre das ein kluger Rat. Aber Anfang der 80er („Das Böse unter der Sonne“ war gerade in Arbeit), war es doch ein Jammer, dass Ustinov es nun selbst machte. Er überkleisterte seine eigenen (nicht vermeidbaren) Dialektfärbungen noch mit dem Bemühen, Poirot mit einem französischen (bzw. belgischen) Akzent auszustatten, worauf man „auf dem Nil“ noch verzichtet hatte.
Sei’s drum: auch mit Sprachschwäche ist Ustinov immer noch sehenswert, so oft das Fernsehen seine Krimis auch wiederholt.
________________
* Die Gründe dafür sind überaus simpel, was diesen Blog nicht daran hindert, ihnen immer wieder in einschlägigen Artikeln nachzugehen. Diese sind unter dem Reiter „Mikrofonarbeit“ zu finden.