Fortsetzung vom 16. April 2023
Wie hält es der Profi?
Erfolgsautor Frank Schätzing – der niemals mit Krimis in Erscheinung tritt, dem Thriller aber in jedem Zusammenhang zu seinem Recht verhilft – erklärt es im Quarterly der „F. A. Z.“ so:
Thriller erzählen Geschichten vom Kontrollverlust, und den fürchten wir mehr als andere. Wir möchten Ordnung, ganz besonders die Deutschen. Darum bevorzugen wir hierzulande den Krimi. Da steht die Unordnung am Anfang. Auf dem Teppich liegt die Leiche, Kommissare treten auf, wo waren Sie gestern zwischen zehn und zwölf, binnen anderthalb Stunden wird die Ordnung wieder hergestellt, und wir atmen auf. Der Thriller funktioniert andersherum, näher an der Realität. In die Ordnung bricht etwas Verstörendes ein. Und eskaliert. Zusammenbruch und Chaos schreiten voran. Viele gute Thriller enden ganz offen. (…) Thriller sind für uns kathartisch. In der Realität kündigt sich der Weltuntergang beständig an, ohne wirklich einzutreten. Putin ist noch nicht über Europa hergefallen. Der Supermeteorit ist noch nie eingeschlagen. Wir leben in einer Gefühlslage permanenter Bedrohung von allen Seiten, ohne dass sich das Ganze auflöst. Das macht uns wahnsinnig. Wir müssen die Katastrophe zumindest einmal fiktional durchleben können, um Druck abzubauen. Horror- und Katastrophenfilme helfen dabei.