betr.: den Podcast https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/kultfiguren-louis-de-funes
Unter denjenigen der Zuhörer von “Kultfilme – Der Podcast”, mit denen ich persönlich hin und wieder spreche, hat die Sonderfolge über Louis de Funès besondere Freude gemacht. Einer davon (ein Kollege vom Fach) hat mir in Aussicht gestellt, dass wir vielleicht gemeinsam ein Vol. 2 aufnehmen werden. Das hieße: zwei weitere Filme des Meisters der Zerrmimik und Strampelgestik würden ausgesucht und besprochen.
Unterdessen sei hier wiedergegeben, was dem Regisseur Dominik Graf über den “genialen” Komiker durch den Kopf gegangen ist, nachzulesen in seinem Buch “Sein oder Spielen”*. Louis des Funès war demnach …
»… nach langem Karriere-Anlauf in den 60ern bis in die 80er fast ein singulärer Erfolgsfall (…). Sein berühmter Dreischritt der Entrüstung “Was?! – Nein! – Oh!” entspricht präzise der Schauspieler-Technik von Sehen-Erkennen-Reagieren. So wie er das für sich umwandelt, so kann nur ein Clown oberster Klasse auftrumpfen, und dies wahrlich mit allem, was dazugehört, um ein Kinopublikum innerhalb von fünf Minuten in einen vor Lachen jammernden, luftschnappenden, völlig selbstvergessenen Haufen zu verwandeln. Louis de Funès gehört aber auch zu den Schauspielern, die durch den verpönten deutschen Synchron ab und zu sogar noch gewannen. Gerd Martienzen war der deutsche Sprecher, des dreimaliges “Was? – Nein! – Oh!” die Szene von de Funès auf dem Sofa neben Bernard Blier in “Hasch mich – ich bin der Mörder” (Jean Girault, 1971) fast besser wirken ließ. Martienzens sanfteres “Oooh” ist in seiner noch mechanischeren Wiederholung so impertinent und unterschwellig ironisch, dass es das originale empörte, etwas knappere “Oh!” an Zwischentönen überbietet. Denn natürlich ist Funès überhaupt nicht überrascht, was der eiskalte Inspektor Blier ihm da an Ungeheuerlichkeiten erzählt. Er selbst hat sie ja alle angerichtet.
Gedreht sind die einzelnen Szenen der klassischen Film-Komödie zumeist als Bühnen-haftes Ganzes mit möglichst wenigen Schnitten (…) als Demonstration der organischen Timing-Stimmigkeit aller rasanten körperlichen und sprachlichen Abläufe im Bild. Man hat den Überblick, und die genauen Geschwindigkeitsabläufe müssen in den Darstellern schon perfekt angelegt sein, weil ein Schnitt unter Umständen eine Diskonitinuität in Tempo oder Tonfall zur Folge hätte. Regisseur Girault teilte in “Hasch mich” fast alle Szenen in lange einzelne Bögen auf, durchaus mal zwei, drei Minuten am Stück. Auf seine Schauspieler konnte er sich dabei verlassen. «
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* Im erwähnten Buch wird nicht nur gegendert (was stellenweise zu wahren satzbaulichen Monstrositäten führt), sondern auch mit unsinnigen Jahrhundertangaben gearbeitet (“In den 1980er Jahren übernahm Götz George eine Hauptrolle im ‚Tatort‘” oder ähnlicher Schwachsinn). Dass dies nicht Dominik Grafs Idee war, sondern eine Übergriffigkeit des Lektorats bei C.H. Beck, auf die der Autor sich ächzend eingelassen hat, erkenne ich dran, dass es hin und wieder unterbleibt, die zuständige praktikantische Ausputz-Kraft also nicht durchgehend bei der Sache war. Ich wäre geneigt, Zitate aus “Sein oder Spielen” dahingehend zu re-redigieren. Bei der oben zitierten Passage war das zum Glück nicht nötig.