Aufguss bitte!

betr.: voereilige Rezension (kurz nach dem Beginn der Lektüre)

Fortsetzung / Vertiefung vom 28.10.2025

Die etwas ermüdende Mode, Biographien in Romanform zu erzählen (und sich bei jeder Nachlässigkeit der Recherche auf den fiktionalen Aspekt dieser Textgattung herauszureden), ist auf dem Buchmarkt ungebrochen erfolgreich. Auch in Film und Fernsehen wird sie emsig gepflegt (dort wohl vor allem deshalb, weil man dann Figuren zeigen kann, die nicht dauernd zum Smartphone greifen).
Wie klug sich diese Masche variieren lässt, ist gerade in „Die Liste der Lebenden“ von Stefan Kutzenberger zu erleben. Er nähert sich seinem Gegenstand, dem dänischen Nationaldichter Hans Christian Andersen, auf Umwegen – inhaltlich wie geographisch. Im Spätsommer 1858 treibt eine Frau nackt inmitten der Trümmer des Dampfers „Austria“ auf einer Tür liegend in den sachten Wellen des Atlantiks. Die Sonne scheint und in Gedanken ist sie in Dänemark.
Henriette Wulff, 53jährig und aus bester dänischer Familie, ist eine enge Freundin Andersens. Auf ihrer Überfahrt nach Amerika, wohin sie auswandern möchte, ist ihr Schiff in Seenot geraten. Zwischen Leben und Tod bleibt ihr nichts übrig, als in Gedanken weiter Briefe an Andersen zu verfassen, ahnend, dass er zu Hause in seiner Schreibstube auch nicht anders kann, als ihr zu schreiben.
Stefan Kutzenberger erzählt die Geschichte einer unerkannten Liebe zwischen zwei Menschen, die erst im Angesicht des Todes begreifen, wie eng sie einander verbunden sind. „Historische Recherche und literarische Imagination gehen dabei eine eindrucksvolle Verbindung ein“, lobt der ORF.

Stefan Kutzenberger, geboren 1971 in Linz, lebt als Schriftsteller in Wien. Für sein literarisches Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet. „Die Liste der Lebenden“ ist sein vierter Roman.
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* https://www.amazon.de/Die-Liste-Lebenden-Stefan-Kutzenberger/dp/3711721672?asin=B0G49JZFWL&revisionId=89295621&format=3&depth=1

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