Die vielfach ausgezeichnete Autorin Anna Baar ist schlau genug, all das Abgründige, was sie in ihrem vierten Roman „Amseln“ zu erzählen hat, in die Lebensbeichte einer zutiefst beschädigten Figur zu verpacken, „systematisch gescheitert in Freundschaft und Liebe“. Das dürfte sie vor den Automatismen unserer heutigen Diskus-Blödigkeit zumindest teilweise schützen – unabhängig davon ob und wieviel Autobiographisches sie hier schildert, eine Frage, die die Leserschaft immer sehr interessiert. Was sie schreibt, erhebt sich über den obligatorischen Jammerton der Zeit (wie macht sie das?) und ist nicht einmal an die weibliche Perspektive gebunden, die die Autorin gewählt hat.
Dazu nur dies:
Es gibt eine kurze Zeit von Kraft, sich abzustoßen von den eigenen Eltern, eine winzige Chance, anders als sie zu werden. Spätestens wenn sie schwächeln oder im Sterben liegen, werden wir wie sie. Weil uns nichts mehr bleibt, dem wir trotzen könnten.