Die schönsten Hörspiele, die ich kenne: „Tödliche Ehen“

von Hubert Monteilhet, SRF 1977; 86 + 101 min. – Credits unter https://www.srf.ch/audio/krimi/1-2-toedliche-ehen-von-hubert-monteilhet-gespraech?id=AUDI20261001_NR_0024

„Du hast nie wirklich in einem Land gelebt, wo man keinen Überfluss, keine Lebensfreude kennt. Wo man Pellkartoffeln isst und sich mit dem Gedanken tröstet, dass die späteren Generationen Wurst und Braten essen werden. Ich werde nie einen Franc herausrücken, wenn ich nicht dazu gezwungen bin.“

Frankreich in den späten 40er Jahren. Um an das Erbe ihres wohlhabenden Gatten Paul Canova zu kommen, will Vera ihn und den kleinen Stiefsohn beseitigen. Zu den diversen Kollateralschäden ihrer Intrige soll auch Pauls Geliebte Béatrice, gehören. Doch die kommt der Verschwörung rechtzeitig auf die Schliche. Nun sind es zwei zu allem entschlossene „Gottesanbeterinnen“ (so der Originaltitel), die einander erbittert bekämpfen.

Dinah Hinz als Béatrice – Eine Abbildung von der SRF-Homepage (IMAGO / United Archives)

Das Hörspiel „Tödliche Ehen“ von Hubert Monteilhet (das Buch erschien 1960) ist in mehrfacher Hinsicht eine monströse Angelegenheit. Über weite Strecken hören wir persönliche Briefe, amtliche Schreiben und Tagebucheinträge, die szenisch gelesen werden. Zu einer klassischen Hörspiel-Anmutung kommt es erst, als der heimliche Mitschnitt eines Gesprächs zweier Verschwörer als Beweisstück in einem Gerichtsprozess zugelassen wird und wir die Aufnahme hören können. Die Handlung beginnt mit der Vorgeschichte des Mordopfers, so dass sich der Krimi über Jahrzehnte hinzieht. Dem reichen Paul Canova wird durch einen Gutachter attestiert, eine derart problemfreie, konfliktlose Type zu sein, dass seiner Lebensversicherung nichts im Wege stünde. Die Art und Weise, in der sich dieses Urteil als Irrtum erweisen wird, ist an Perfidie nicht zu überbieten (ein Kind wird umgebracht, indem ihm Glassplitter ins Essen Gemischt werden). Vorab betont der Autor, diese Texte seien tatsächlich alle aus einem realen Kriminalfall zusammenredigiert – und bereitet uns damit schon auf die Trockenheit der mehr als drei Stunden vor, die der SRF-Zweiteiler dauern wird. Dass der dennoch so fesselnd gerät, liegt unter anderem an der Offenheit, mit der er das Leben seiner Figuren verhandelt. Ihre zahllosen sexuellen Verstrickungen (schließlich sind wir in Frankreich!) werden ohne falsche Scham dargestellt und analysiert, was frisch und heutig anmutet. Die zwischen den Szenen eingespielten Chansons von Véronique Sanson hingegen wirken inzwischen, da sie aus unseren Hörgewohnheiten herausgerutscht sind, etwas unpassend, obwohl sie inhaltlich um Liebe und Tod kreisen.

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