Überall Charaktere

betr.: 95 Geburtstag von Claire Bloom

Die Schauspielerin Claire Bloom (Chaplins Partnerin in „Rampenlicht“) war 15 Jahre lang die Geliebte, 3 Jahre lang die Gattin des Bestsellerautors Philip Roth („Portnoys Beschwerden“). In einem seiner Manuskripte musste sie lesen, wie ein „Philip“ postkoitale Gespräche führte und schließlich seine Ehefrau auftrat: eine Schauspielerin namens „Claire“, die als ältliche Heulsuse beschrieben wird. Dass sie dieses Skript liest, ist wiederum Teil der Geschichte (siehe unten).
Aus den gemeinsamen Jahren machte Claire Bloom dann den Mittelpunkt ihrer Autobiographie, die sie in Anspielung an einen emanzipatorischen Bühnenklassiker „Leaving A Doll’s House“ nannte.
Die beiden hatten erst spät zueinander gefunden: der 42jährige Witwer Roth war auf dem Weg zum Psychiater, die zweimal geschiedene Bloom ging zum Yoga, als sie auf der Madison Avenue zusammentrafen und an eine frühere Begegnung auf einer Party (1975) anknüpfen konnten. Zuvor war Bloom mit Richard Burton, Laurence Olivier, Yul Brunner und Anthony Quinn zusammen gewesen. Spontan fällt mir nur eine Liste ein, die für mich persönlich feuilletonistisch noch lauter knistert, die der Ehemänner von Mia Farrow: Frank Sinatra, Andre Previn und Woody Allen. Letzterer hat die eingangs erzählte Geschichte übrigens auch variiert. In „Deconstructing Harry“** (nach der Trennung von und ohne Farrow entstanden) suchen ihn sowohl seine Figuren als auch deren Originale heim und geben ihm Saures.
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* Die Hörspielfassung dieses Werks steht zur Zeit in der ARD Audiothek zum Gratis-Download: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f15bf90a1586210e/
„Täuschung“ von Philip Roth, SDR 1994 –  Schriftsteller Philip plant einen großen Roman über die Täuschung. Sich selbst (verheiratet) und seine Geliebte (verheiratet) nimmt er zum Vorbild. Sorgfältig notiert er die gemeinsam gedoppelten Betrugsmanöver, die zu – ebenfalls sorgsam notierten – lustvollen Ergebnissen führen. Nun aber findet Philips Frau diese Notizen. Philip erklärt ihr, alles sei nur ausgedacht, Vorarbeit zum geplanten Täuschungsroman. Diese Vorarbeit wirkt allerdings äußerst real. Ist das nun wirklich kunstvoller Schein, oder ist es doch die gefürchtete Wahrheit?
** Siehe dazu https://blog.montyarnold.com/2025/10/10/tron-harry-ausser-sich/

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