Dieser Ausdruck existiert in vielen Zusammenhänger – etwa im Einzelhandel -, und auch wenn wir uns über seine künstlerische Bedeutung klarwerden wollen, spaltet er sich auf. Am Mikrofon bezeichnet er die verstellte Stimme, also ihre Verfremdung (idealerweise bis zur Unkenntlichkeit) etwa zum Zwecke der Parodie oder der Trickstimme.*
Auf dem Theater ist er Fachausdruck für kleine, mitunter textlose Rollen; legendär ist hierfür der klischeehafte Rufer des Satzes „Die Pferde sind gesattelt!“, der danach sogleich verschwindet und nicht mehr gesehen wird.
Eine Charge kann aber auch einen oder mehrere kurze, sehr prägnante Auftritte haben, die (wiederum mittels Klischee) imstande sind , den Kollegen die Schau zu stehlen. Er kann zum Running Gag werden (wie der fröhliche Sargverkäufer in der Komödie „Schick mir keine Blumen“) oder eine Schlüsselszene (mit-)tragen (wie die ältere Dame, das gleiche Essen bestellt wie es Meg Ryan in „Harry und Sally“ auf dem Teller hat).
Aus dieser Linie gehen Nebendarsteller hervor, deren Name einem nicht einfallen will oder von denen man nicht weiß, wo man sie hinstecken soll.

Die Charge im Kreise ihrerGoons: Karl-Otto Alberty (2. v. l.) in „Ein Käfer gibt Vollgas“
Mein Lieblingsbeispiel für diese Sorte ist der stämmige, blonde bzw. weißhaarige Karl-Otto Alberty(Karl Otto Poensgen), der sogar Zbynek Brynych, seinem Regisseur in „Engel, die ihre Flügel verbrennen“, nicht einfiel, als der ihn im Interview lobte. Als Filmnazi in internationalen Produktionen brachte er es zu Minirollen in prächtigen Genre-Klassikern wie „Gesprengte Ketten“ und „Stoßtrupp Gold“. Rühmlicher für das heutige Publikum dürfte seine Schurkenrolle „Schwede“ im Bud–Spencer-Solofilm „Plattfuß am Nil“ gewesen sein.
Seine vielleicht größte Rolle war der Gangster Marchese de la Sotta in der Fuchsberger-Klamotte „Ein Käfer gibt Vollgas“, die ihm einen ewigen Platz in meinem Herzen gesichert hat. Hier wird er von Reinhard Glemnitz synchronisiert, mit dem er in „Tod im Transit“ zu sehen war, der letzten Folge der Serie „Der Kommissar“.
* Der ST. GEORGE HERALD widmet sich diesem Aspekt ausführlich in den Serien „Geliebte Stimmen“ und „Ixen für Anfänger“