betr.: So wohnen literarische Figuren
Fortsetzung vom 9. Juli
Der Ich-Erzähler berichtet von nichts Geringerem als von der Unterbringung der Teilnehmer von Stanislaw Lems berühmtem „Der futurologische Kongreß“.
Böse Zungen (…) behaupteten, das neue Hotel, das die Hilton-Corporation in Nounas gebaut hatte, stünde dauernd leer, und zu dem Kongreß nun sollten außer den Futurologen noch einmal soviel Journalisten anreisen. Da das Hotel noch während des Kongresses vom Erdboden verschwand, darf ich, ohne mich der Schleichwerbung verdächtig zu machen, ruhigen Gewissens sagen: Das Hilton war fabelhaft. Meine Worte haben hier besonderes Gewicht, denn ich bin der geborene Genießer, und einzig mein Pflichtgefühl hat mich dazu gebracht, zugunsten astronautischer Schinderei auf Bequemlichkeiten zu verzichten.
Das Hilton in Nounas schoß von einem flachen, vieretagigen Sockel aus hundertsechs Stockwerke in die Höhe. Auf den Dächern der niedrigeren Gebäudeteile gab es Tennisplätze, Schwimmbecken, Solarien, Karussells, die gleichzeitig als Roulette dienten, einen Schießstand (wo man nach Herzenslust auf ausgestopfte Personen schießen konnte – Sonderanfertigungen binnen vierundzwanzig Stunden) sowie einen Konzertpavillon mit Extraanlage zum Beschuß der Zuhörer mit Tränengas. Ich bekam ein Appartement im hundertsten Stock, von wo aus ich nur die oberste Schicht der Smog-Wolke überblickte, die die Stadt einhüllte. Manches an der Inneneinrichtung machte mich stutzig, beispielsweise eine drei Meter lange Eisenstange, die in einer Ecke des Jaspisbadezimmers stand, ein in Tarnfarben gehaltener Schutzanzug im Schrank sowie ein Sack Zwieback unter dem Bett. Im Bad hing neben den Handtüchern, zum dicken Knäuel aufgerollt, ein typisches Kletterseil für Hochgebirgstouren, und an der Tür entdeckte ich, als ich zum erstenmal den Schlüssel in das Yale-Schloß steckte, ein kleines Schild mit der Aufschrift: „Dieser Raum ist garantiert bombenfrei. Die Hoteldirektion.“