betr.: 89. Geburtstag von Wolfgang Hess
Der Schweizer Wolfgang Hess war schon aufgrund seiner Stimmlage dazu prädestiniert, brutale Typen zu synchronisieren: den Saufaus, den Schlagetot, den Haudrauf. Es war die Bass-Variante der sogenannten Reibeisenstimme. Wer an Bud Spencer denkt, hat sein wie von selbst rumpelndes, grollendes Timbre sofort im Ohr – und gleich danach den Obelix in den „Asterix“-Filmen, den „Schrecklichen Sven“ … Die Freunde der hintersinnigen Unterhaltung werden sich noch an Robbie Coltranes abgründigen Titelhelden aus der Serie „Für alle Fälle Fitz“ erinnern.
Auch wenn er nicht von unten drückte (was er in komödiantischer Action zu tun pflegte), hatte Hess ein eindrucksvolles Organ, das sofort herauszuhören war (was sich mit den Intentionen der Originalfassung nicht decken musste). Schauspielerisch waren die Ergebnisse nicht immer bedarft. Der Fassbinder-Darsteller Hess („Ich will doch nur, dass ihr mich liebt“) übernahm auch einen stimmlichen Part im Werk des Regisseurs: den Marokkaner El Hedi ben Salem in „Angst essen Seele auf“. (Ruhm und Nachruhm dieses Films gestatten offiziell keine kritischen Töne, aber man kann ja mal reinhören …)
Neben solchem Typecasting war Wolfgang Hess auch für eine Reihe seriöser Kollegen zuständig: Philippe Noiret, Michel Lonsdale, David Hemmings, mehrmals für Marcello Mastroianni. Charles Bronson bildet gewissermaßen die Brücke zwischen diesen Welten.

Als Bonzo (auch Brutus oder Bluto) in der Serie „Popeye – Ein Seemann ohne Furcht und Adel“ (1975-78) – der vom ZDF verantworteten Bearbeitung der klassischen Popeye Trickfilme – ist Wolfgang Hess ein großes Vergnügen und deshalb besonders erwähnenswert, weil es unzählige Fassungen und deutsche Sprachfassungen der Popeye-Abenteuer gibt und die meisten (schon im Original) entsetzlich lieblos gemacht sind; die inzwischen eingetretene Gemeinfreiheit des Charakters macht die Sache nicht besser.* Wie sich das gehört, wirkte Hess auch in „Tom und Jerry“, „Die Biene Maja“, „Die Märchenbraut“ und vielen anderen Säulen des „Fernsehkult“-Repertoires.
Wolfgang Hess, Sohn eines Schweizer Filmschauspielers, war nach dem Krieg in Zürich mit der Branche in Kontakt gekommen, weil seine deutsche Mutter ein Hotel betrieb, das bevorzugt von Künstlern und Studenten frequentiert wurde, u.a. den deutschen Mimen, die am Zürcher Schauspielhaus, der einzigen noch freien Bühne im deutschen Sprachraum, eine Plattform gefunden hatten. Nachdem er fünf Semester Theater- und Zeitungswissenschaft sowie Germanistik studiert hatte, folgten Theaterengagements in München, Zürich und Stuttgart. August Everding wurde auf seine Stimme aufmerksam und nahm Wolfgang Hess mit zum Rundfunk. In den Hörspielen fiel er dann auch der Synchronbranche auf.
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* Es sind so viele, dass das Portal „fernsehserien.de“ ausgerechnet diese nicht aufweist, die Serie, die eine erste Generation mit den Popeye-Trickfilmen vertraut gemacht hat.