Künstler, Nachbar und aktiver Vereinskamerad

betr.: 91. Geburtstag von Rolf Becker / St. Georg

Wann immer mich Menschen besuchen, die ein Weilchen nicht hier waren, erzählt man mir, wie sehr sich das Viertel seit letztens wieder verändert habe – weniger Kultur-Läden (wenn auch die Buchhandlung Wohlers wohl weiterbestehen wird, obwohl wir ihren Inhaber kürzlich verloren haben) und statt der unzähligen Bäckereien, die sich zuletzt epidemisch ausgebreitet haben, gibt es jetzt immer mehr Barbiere. Das ist der Lauf der Welt, und hier vollzieht er sich vielleicht ein klein wenig langsamer und freundlicher als anderswo. Aber er vollzieht sich.
Früher war dies hier auch ein Künstlerviertel, rund ums Deutsche Schauspielhaus herum. Vor einigen Monaten hat uns einer der quasi-Ureinwohner verlassen: Rolf Becker.
In unserem Stadtteilmagazin „Der lachende Drache“ schrieb Liane Lieske dazu: „Als wir 1988 nach St. Georg zogen, haben wir uns (…) hier im Stadtteil immer wieder getroffen und 2019 im Rathaus eine gemeinsame Lesung – mit Sylvia, Kai Degenhardt und uns als Literarisches Menuett – gemacht. Wahrscheinlich war ich – tja was? – nicht linientreu? Keine richtige Kommunistin? – Keine Ahnung. Ich fand ihn manchmal zu dogmatisch, aber ich habe ihn trotzdem geschätzt, weil er solidarisch und empathisch war mit unterdrückten und benachteiligten Menschen.
Meine letzte Begegnung mit ihm war bei der Gedenkfeier für Jürgen Wohlers, wo ich neben ihm saß, und als er mir nach meinem Beitrag anerkennend zunickte, war ich doch beglückt (ich als Laiin). Ich habe ihm einmal gesagt, dass er mich zum Lachen bringt (bei einer Lesung meines Kinderbuches, ich erinnere mich nicht mehr, welches, im St. Ansgar-Haus, Schmilinskystraße) und zum Weinen (Lesung Carl von Ossietzky im Malersaal). Und nun, weil er fehlt.“

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