Notes On A Podcast: Die Emsigen

Der Schakal / The Day Of The Jackal
Englischer Politthriller von 1973

Die Terrororganisation OAS beauftragt einen Killer mit der Ermordung des französischen Präsidenten Charles de Gaulle. Parallel zur minutiösen Planung des Anschlags durch einen Einzelgänger, der sich „Schakal“ nennt, erleben wir die fieberhaften Versuche eines gewaltigen Apparats aus Staatsbeamten, Polizisten, Killern und Spionen, ebendiesen zu verhindern, sowie deren Folgen für allerlei unschuldig Verstrickte. Die Leitung der Operation wird dem unscheinbaren Kommissar Lebel übertragen …


Spontan fallen mir zu diesem außergewöhnlichen Film zwei Nachbartitel ein. Auch Hitchcocks „Topas“ – wenige Jahre zuvor entstanden – zeigt uns eine Geheimoperation vor der politischen Kulisse der frühen 60er Jahre, in der wir einen eleganten Weltbürger durch viele Länder begleiten. Zwölf Jahre später folgte ihm „Die Nadel“ („Eye Of The Needle“) von Richard Marquand. Das eiskalte Killer-Chamäleon dieses wiederum zeitgeschichtlich grundierten Thrillers (gespielt von Donald Sutherland) ist bereits vom „Schakal“ beeinflusst.
Doch wie gesagt: „Der Schakal“ ist anders, und er ist der Beste in dieser kleinen Auswahl.

Regisseur Fred Zinneman, der sich Anfang der 50er Jahre mit „Zwölf Uhr mittags“ und „Verdammt in alle Ewigkeit“ Klassiker-Status erworben hatte, wünschte sich für die Titelrolle ein nicht-prominentes Gesicht, um den identitätslosen Bösewicht glaubhaft zu machen. 25 Jahre später bewies ein starbesetztes Remake die Klugheit dieser Entscheidung. Nicht nur Edward Fox, auch sein Gegenspieler Michel Lonsdale ist kein Filmstar, obschon ein gewiefter Charakterschauspieler mit beachtlicher Filmographie.
Der Film ist aus einem Guss, obwohl er unentwegt zwischen Schauplätzen und Dekorationen wechselt. Man sieht viel sommerliches Europa, viel weltläufige Eleganz. Die meisten der zahllosen „Personen, die uns vorgeführt werden, sind edle Naturen und haben recht in ihrem Tun. (…) alle handeln korrekt, der jedesmaligen Situation entsprechend, und befriedigen unser menschliches und ästhetisches Gefühl“, wie Fontane gesagt hätte, so dass man sich die Perfidie dieses politischen Mordkomplotts immer wieder vergegenwärtigen muss. Auch die „gute Seite“ ist nicht zimperlich: sie filzt, durchsucht, foltert und mordet eilig, unbürokratisch und rücksichtslos, letzteres zumeist im Off oder in der Dunkelheit. Aus dieser Text-Bild-Schere bezieht der Film zusätzlichen Reiz.

Nach der alten Devise, nach der man in der Kunst gut daran tut, alles Unnötige wegzulassen, wird in diesem Film nur wenig gesprochen. Doch die Worte sind sorgfältig gewählt und runden die Portraits ab. Besonderes Vergnügen machen etwa der reizende ältere Herr, der sich als Konstrukteur von Mordwaffen verdingt (Cyril Cusack mit der deutschen Stimme von Siegmar Schneider) und die gelangweilte Edeldame Colette de Montpellier, gespielt von Delphine Seyrig („Jeanne Dielman“), eine in ihrer herablassenden Eleganz an Vanessa Redgrave erinnernde Lady, die es irre romantisch findet, dass ihr das Schicksal einen gesuchten Verbrecher aufs Kopfkissen gelegt hat.

Wie unzählige französische Filme der Nachkriegszeit, ist auch diese britische Produktion mit einem Thema grundiert, das wir deutschen Zuschauer meist übersehen oder doch sofort wieder vergessen: der Algerienkrieg. In diesem Falle ist es dessen Beendigung, die die Verschwörer aktiv werden lässt.
Obwohl der große Georges Delerue als Komponist genannt wird, hat der Film so gut wie keine Musik. Wenige sekundenlange atmosphärische Jingles werden eingespielt, ansonsten herrschen dokumentarische Stille oder die sogenannte Source-Music, etwa die Blaskapellen bei den abschließenden Feierlichkeiten. Das ist die heiße Phase, da der Augenblick des Attentats näherrückt. Ausgerechnet im Finale, wo wir besonders am Treiben des Killers interessiert sind, mutet uns der Film sieben Minuten zu, in denen wir diesen nicht zu Gesicht bekommen.

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