Der aufmüpfige Pinsel

Die Kunst der politischen Karikatur – dem Hervorheben des äußerlich Skurrilen bei Wahrung der sofortigen Wiedererkennbarkeit – arbeitet üblicherweise mit dem Mittel der Herabsetzung. Obwohl es sich fast immer Politiker handelt – Angehörige eines Berufes also, dessen Anforderungen die Alterung sehr beschleunigen -, werden die Portraitierten gern noch hässlicher gemacht.
Und da können sie von Glück sagen, wie das obige Bild beweist. Es entstand vor wenigen Jahren in Russland und will die Dargestellten erkennbar mit dem gegenteiligen Ansatz hochleben lassen. Diese Portraits sind so gut gemeint, dass sie (gewollt oder eben nicht) zur Karikatur geraten. Die Dame in der Mitte erkennt man überhaupt nur an der Gesellschaft, in die sie einsortiert wird. – Na, sagen wir, man erkennt alle drei nur an der Frisur des Herrn rechts.

Das Retuschieren hat im Ostblock Tradition. Wer darüber auf der Höhe der finsteren Zeiten mal herzlich lachen möchte, dem sei die Dokumentation „Stalin – Eine Mosfilm Produktion“ von Enno Patalas, Frieda Grafe und Oksana Bulgakowa empfohlen. Im Sowjetimperium wurde nicht nur an Gemälden herumgepopelt, wenn einer der Abgebildeten in Ungnade fiel. Sogar Filme wurden verfälscht – und das zu einer Zeit, da man tricktechnisch noch mit sehr groben Werkzeugen hantieren musste.

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