Viel Knef für’s Auge, noch mehr für die Ohren!

betr.: 100. Geburtstag von Hildegard Knef / das mediale Festtagsprogramm dazu

Der Tod der großen Hildegard Knef vor 22 Jahren wurde von großer Anteilnahme begleitet, sie war ein Star bis zuletzt. Ihr heutiger Jubeltag wurde in den öffentlich-rechtlichen Programmen schon im Voraus intensiv begangen: mit zwei neuen TV-Dokus, einer „Langen Nacht“ im Deutschlandfunk und anderem. Ein besonderer Leckerbissen für alle, die sie noch nicht kennengelernt haben, ist Knefs Lesung einiger langer Auszüge aus ihrer berühmten Autobiographie „Der geschenkte Gaul“ (eines Welterfolgs von 1970), die jetzt in der ARD Audiothek nachzuhören sind. Parallel zum Buch erschien bereits eine Doppel-LP, die sich inhaltlich mit dem Hörbuch von 1999 überschneidet und zu einem Stimmenvergleich einlädt: knapp 30 Jahre liegen zwischen den Aufnahmen.

MDR KULTUR

Hildegard Knef:
Der geschenkte Gaul

10 Folgen à c.a. 30 Minuten

Im Dezember 1998 wurde in Hildegard Knefs Privaträumen in Berlin eine Lesung ihrer Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ aufgenommen. Sie selbst wählte die Kapitel für die gekürzte Hörfassung aus. Die Knef war zu diesem Zeitpunkt 73 Jahre alt. Die Aufnahme lebt von ihrer rauchigen Stimme, dem schnoddrigen Berlinern, dem abgeklärten Ton. Die Rückschau auf die Anfänge ihrer Karriere in Krieg und Nachkriegszeit ist auch eine persönliche deutsche Geschichtsstunde. Hildegard Knef wurde am 28. Dezember 1925 in Ulm geboren und wuchs in Berlin auf. Sie arbeitete zunächst als Trickfilmzeichnerin bei der UFA, war dann als Schauspielerin, später auch als Chansonsängerin erfolgreich. Ihr autobiografisches Werk „Der geschenkte Gaul“ landete 1970 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und wurde anschließend in 17 Sprachen übersetzt. Hildegard Knef verstarb im Frühjahr 2002 im Alter von 76 Jahren.
Am 28. Dezember wäre sie 100 Jahre alt geworden.
Produktion: Roof Music/tacheles! 1999

Verfügbar bis 17. März 2026

1. In ihren Erinnerungen beschreibt Hildegard Knef vor allem die Zeit zwischen 1930 und 1950. In der ersten Folge geht es um Ihre Kindheit, u. a. über ihren Großvater, bei dem sie einige Jahre lebte und den sie sehr liebte.

2. Hilde verlebt ihre Jugend in Berlin zwischen Bombenhagel und Hunger. Nach Probeaufnahmen für die UFA bekommt sie einen Ausbildungsvertrag zur Schauspielerin an der Staatlichen Filmschule Potsdam-Babelsberg.

3. Hilde lernt wie besessen, arbeitet an ihrem Lispeln und an den berlinischen Endsilben. Sie hat erste Dreharbeiten und lernt den Tobis-Chef Ewald von Demandowsky kennen, der verheiratete Mann wird ihre erste große Liebe.

4. Drastisch schildert Hilde Knef die letzten Kriegstage. Gemeinsam mit dem Geliebten „EvD“ erlebt sie die Schlacht von Spandau. Verkleidet mit einer Volkssturmuniform beginnt eine verzweifelte Flucht aus dem Bombenhagel.

5. „Ich komme von Ewald von Demandowsky, und ich habe Ruhr, Läuse und keine Papiere“. So meldet sich Hilde Knef bei Viktor de Kowa. Sie wird aufgenommen und ist dabei, wenn Nachkriegstheatergeschichte geschrieben wird.

6. Kurt Hirsch beginnt, eine Rolle im Leben der Knef zu spielen. Ihr Mentor, der Filmproduzent Erich Pommer, kurbelt mit der Rolle in „Die Mörder sind unter uns“ ihre Filmkarriere an. Bald heißt es: Berlin oder Hollywood?

7. Bei der Premiere von „Die Mörder sind unter uns“ bleibt Hildes Stuhl leer. Sie ist mit Kurt Hirsch auf dem Weg nach Hollywood. Doch anstatt Ruhm hat sie hier bald wieder dieses Gefühl der Abhängigkeit und Hilflosigkeit.

8. Hilde ist zurück um „Die Sünderin“ zu drehen. Der Skandal um den Film stellt alles in den Schatten. Mit dem Wirtschaftswunder hat sich „eine auf Keuschheit bedachte Betulichkeit“ breit gemacht im Nachkriegsdeutschland.

9. Weil der Skandal um „Die Sünderin“ bald in Verfolgung ausartet, verlässt die Knef Deutschland, dreht im Ausland. Doch dann bekommt sie ein besonderes Angebot aus Amerika: Als erste Deutsche soll sie am Broadway spielen.

10. Hilde spielt die „Ninotschka“ in „Silk Stockings“ am Broadway. Cole Porter hat aus dem Ernst Lubitsch-Film ein Musical adaptiert. Die monatelangen Proben sind nervenaufreibend. Und Marlene Dietrich kommt zur Premiere.

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Eine Antwort zu Viel Knef für’s Auge, noch mehr für die Ohren!

  1. Hans-Bernhard Barth sagt:

    Lieber Monty,

    mit dem Link zum MDR, bzw. ‚über die Bande‘ zur ARD-Audiothek, hast Du ein gutes Werk getan: Die Lesung der Knef aus ihrer Autobiographie ist ein Erlebnis! {Umso mehr, als ich schon als 17-jähriger Halbwüchsiger auf der Suche nach Berichten und Antworten aus erster Hand — die Eltern waren nur wenig älter bzw. jünger als Frau K., aber wenig mitteilsam — ihren ‚Geschenkten Gaul‘ aus der örtlichen Stadtbücherei auf einen Sitz weggelesen hatte und schwerst beeindruckt zurückblieb.
    Jetzt entscheidende Passagen davon noch einmal aus berufenstem Munde zu hören, hat mich in der Silvesternacht gut fünf Stunden lang am Lautsprecher festgenietet…) Bei sowas verstummt auch die Frage nach Sinn & Zweck des Rundfunkbeitrags für eine ziemliche Weile.

    Herzlichen Dank auch für ein weiteres Jahr St.George Gerald und Kultfilm-Azubis, und Dir ein frohes neues Jahr und alles Gute!

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