Über die Frage, was Science Fiction – im Folgenden SF genannt – eigentlich ist, hat Dietmar Dath ein ganzes Buch geschrieben: „Niegeschichte“. Wer in der unglücklichen Lage ist, die Zeit für die Lektüre der mehr als 900 Seiten nicht selbst investieren zu können, dem soll hier das Wichtigste zusammengetragen werden.
Der Autor erläutert zunächst, inwieweit es andere Genres mit ihren Parametern leichter haben. So leicht, dass Erklärungen gar nicht mehr nötig sind – oder zu abgehoben wären, um für allgemeinverständliche Aufklärung zu sorgen. »… man wird in keiner seriösen literaturkundlichen Abhandlung Sätze finden wie “Die Humoreske behandelt Tortenschlachten und Verwechslungen” oder “Im historischen Roman kommen Ritter und Nazis vor”. Was man weiß, ist bedingt von Leseregeln wie: “Die Humoreske behandelt die komische Fallhöhe zwischen Erwartung und Wirklichkeit” oder “Der historische Roman erschließt vergangene Epochen anhand erzählerischer Konkretion im erweiterten Bedeutungsfeld des Schicksalsbegriffs”.«
Die Zutaten, die wir spontan mit SF in Verbindung bringen – Außerirdische, Raumschiffe, Zeitreisen, verrückte Wissenschaftler, Weltuntergänge … – sind gar nicht so hilfreich wie man spontan annehmen möchte, davon später mehr.
Auch auf die Frage, womit es eigentlich angefangen hat, bekommt man unterschiedliche Antworten.
Von den Alten Meistern beiderlei Geschlechts, die im Verdacht stehen, das erste wirkliche literarische Werk der SF vorgelegt zu haben, wählt Dath Mary Shelley (1797-1851) und ihren Klassiker „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ (1818) aus. Diese schlaue junge Schriftstellerin nahm sogar schon eine noch aus heutiger Sicht gültige Einordnung in das Über-Genre, die Fantastik, vor: »Man muss, sagt sie, unterscheiden zwischen spekulativer, mythischer und viszeraler Fantastik. (…) Lange, bevor es Buchhandlungen gab, in denen die drei Kategorien “Science Fiction”, “Fantasy” und “fantastischer Horror” ihre eigenen Regale hatten, nahm Shelley diese drei in den Blick.«
