betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936)
Der verschwiegene Garten
Eine Abendgesellschaft
Ein Blick in den Salon freilich beruhigte ihn; sein wichtigster Gast war jedenfalls noch nicht gekommen. Er umfing mit dem nächsten all die anderen Stützen seiner kleinen Gesellschaft: er sah den englischen Botschafter Lord Galloway, einen cholerischen Mann mit rotbraunem Apfelgesicht, der das blaue Band des Hosenbandordens trug; er sah Lady Galloway, dünn wie ein Faden, mit weißem Haar und einem sensitiv vornehmen Antlitz; er sah ihre Tochter, Lady Margaret Graham, ein blasses, hübsches Mädchen mit kupferrotem Haar und elfenhaften Zügen; er sah die üppige, schwarzäugige Herzogin von Mont St. Michel mit ihren beiden ebenso üppigen und schwarzäugigen Töchtern; er sah Dr. Simon, den typischen französischen Gelehrten, mit Brille, braunem Spitzbart und jenen waagerechten Stirnfalten, welche die Strafe für Überheblichkeit sind, da sie ja durch dauerndes Hochziehen der Augenbrauen verursacht werden; er sah Pater Brown aus Cobhole in Essex, den er kürzlich in England getroffen hatte. Und er sah – vielleicht mit mehr Interesse als diese – einen großen Mann in Uniform, der sich vor den Galloways verbeugt hatte, ohne ausgesprochen herzlich empfangen zu werden, und der nun als einziger herantrat, um seinen Gastgeber zu begrüßen. Das war Kommandant O’Brien von der französischen Fremdenlegion, eine schlanke, etwas prahlerische Erscheinung, glatt rasiert, mit dunklem Haar und blauen Augen. Und wie es sich für einen Offizier dieses berühmten Regiments der siegreichen Verlierer und erfolgreichen Selbstmörder gehört, wirkte er schneidig und gleichzeitig melancholisch.
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