Summer Of Kult: Zwei Stühle – sechs Meinungen

Es geht das Gerücht, so richtig interessant wird es für euch, die ihr uns zuhört, wenn wir uns im Gespräch über Kultfilme und solche, die es werden wollen, in diesem Podcast gehörig in die Haare kriegen. Jedenfalls erklingen zum Abschluss unserer Sommerserie für alle, die gern die Fetzen fliegen sehen, drei Gespräche, bei denen wir nicht einer Meinung waren. Und zwar überhaupt nicht. Unter dem Motto „Zwei Stühle, sechs Meinungen“ hören wir noch einmal in unsere erste Staffel hinein und zweimal in die zweite.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/summer-of-kult-zwei-stuehle-sechs-meinungen

Blow Up
Britisch-italienischer Mystery-Thriller von 1966

London in den Swinging Sixties. Der hippe, erfolgreiche, aber vom Leben angeödete Modefotograf Thomas fotografiert im Park von weitem ein diskutierendes Liebespaar. Bei der Entwicklung der Bilder fällt ihm ein seltsames Detail auf. Als er dieses immer weiter vergrößert – to blow up -, glaubt er, einen Mord fotografiert zu haben. Es gelingt ihm nicht, einen seiner Freunde für diese aufregende Entdeckung zu begeistern. Die Frau auf den Bildern hat umso größeres Interesse daran. Sie wird bei Thomas vorstellig und fordert die Herausgabe des Negativs. Er trickst sie aus, doch dabei bleibt es nicht …

Der italienische Starregisseur Michelangelo Antonioni begann als Assistent von Roberto Rosselini und entwickelte dessen Stilrichtung, den damals tonangebenden Neorealismus, ab 1950 selbstbewusst weiter. Als Antonioni mit „Blow Up“ seinen ersten Film in englischer Sprache vorlegte, war er bereits einer der Größten des europäischen Kinos. Dieser Film bist bis heute sein beliebtester, der meistdiskutierte und am häufigsten wiederaufgeführte.

Als Steven Spielberg kürzlich mit „Disclosure Day“ in unsere Kinos kam, schrieben viele Rezensenten, damit sei er zurückgekehrt zu seinem eigentlichen Thema: dem Weltraum (von der Erde aus gesehen) und den Aliens.
Das ist spontan eine verblüffende Einordnung, wenn man bedenkt, wie vieler unterschiedlicher Milieus und Genres Spielberg sich in den mehr als 50 Jahren seiner Karriere angenommen hat. Auf den zweiten Blick ist es umso einleuchtender. Die Science-Fiction-Parabel „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ war 1977 der erste Film, in dem uns der Regisseur auf seine unverwechselbare Weise versprach, alles würde gut werden. Das sollte fortan ein Markenzeichen seines Personalstils sein. Fünf Jahre später machte sich Spielberg mit dem folgenden Werk zu so etwas wie dem Ehrenpräsidenten des Ministeriums für außerirdisches Leben.   


E.T. – Der Außerirdische
/ E.T. – The Extra-Terrestrial
Amerikanisches Science-Fiction-Märchen von 1982

Als ein Raumschiff aus einer fernen Galaxis seinen Erkundungsflug zur Erde Hals über Kopf beendet und abfliegt, bleibt einer der Passagiere in einem Waldgebiet nahe Los Angeles zurück. Der kleine runzlige Kerl versteckt sich in einem Geräteschuppen, wo er vom Sohn der Familie Toomey entdeckt wird. Der zehnjährige Elliott nimmt E.T., den Extra-Terrestrischen, heimlich mit auf sein Zimmer, füttert ihn mit Schokolade und bringt ihm Sprechen bei. Während E. T. ein Funkgerät zusammenbastelt, um seine Artgenossen zu Hilfe zu rufen, macht sich die Regierung auf die Suche nach ihm. Sie hat von seiner Ankunft Wind bekommen und möchte ihn konfiszieren. Es stellt sich heraus, dass E.T. die Anwesenheit auf der Erde gesundheitlich nicht bekommt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt – und der uralte Kampf der unschuldigen Kinderseele gegen die korrupte Welt der Erwachsenen.

Über Steven Spielbergs alles überragenden Welterfolg ist kaum etwas Freundliches ungesagt geblieben. Hier kommt ein stellvertretendes Zitat von vielen, die die Begeisterung teilten. Das Filmlexikon des Katholischen Filmdienstes freute sich über ein Werk, das die unbeschwerte Trivialität des Comicstrip, die technische Phantasie des Science-Fiction-Films und familienfreundliche Sentimentalität zur perfekten Kinounterhaltung verarbeitet.

Erstaunlich oft stehen Kinder im Mittelpunkt der Filme, die wir uns gemeinsam ansehen. Warum das so ist? Mal in Ruhe überlegen.
Für Horrorfilme jedenfalls gilt: hier sind die lieben Kleinen in der Regel die Bösewichte. Und nichts für ungut: sie können ja schon recht gruselig rüberkommen mit ihren großen Köpfen, ihren noch größeren Augen und ihrem unerfindlichen Innenleben. Oswalt Kolle hat einen Bestseller darüber geschrieben: „Dein Kind, das unbekannte Wesen“.
Doch nur wenige Jahre später wendet sich Blatt. Wenn aus dem Kind ein Teenager wird, mutiert es im Horrorfilm von der Bedrohung zur bedrohten Art.
Die Helden unseres nächsten Films beschreiben genau diesen Übergang vom einen Rollenfach ins nächste.
Zum letzten Halloween hatten wir die Kollegen vom Podcast „Filmtieftauchen“ zu Gast, die sich in wechselnder Besetzung mit uns zwei Horrorfilmen gewidmet haben. Ich habe diese große Runde sehr genossen, besonders im zweiten Teil, wo die Urteile weiter voneinander abwichen als beim Kettensägenmassaker in unserem Hauptfilm „Blutgericht in Texas“. Ich grüße Susann und Asfaha und hoffe, sie sehen es mir nach, dass ich unser Vierergespräch für die heutige Collage ganz auf meinen Showdown mit Torben zugeschnitten habe,
meinem Bösewicht. Das komplette Gespräch über beide Filme steht in unserer Mediathek.

The Visit
US-Teenie-Horrorfilm von 2015

Die Teenager Tyler und Rebecca haben durchgedrückt, ihre Großeltern besuchen zu dürfen, obwohl sich Mutter Loretta vor langer Zeit restlos mit ihnen überworfen und den Kontakt abgebrochen hat. Während sie eine Kreuzfahrt mit ihrem neuen Lover macht, fahren der extrovertierte Tyler und seine pfiffige große Schwester für eine Woche aufs Land. Rebecca filmt die ganze Reise mit dem Smartphone, um sie zu einer Doku zu verarbeiten. Die Kids werden herzlich empfangen, wundern sich jedoch bald darüber, wie seltsam das Alter die Menschen macht. Nach und nach werden ihnen Oma und Opa immer unheimlicher …

Der gesamte Film ist als Found-Footage-Montage gestaltet. Das mag damit zusammenhängen, dass Autorenfilmer M. Night Shyamalan nach seinem Durchbruch mit „The Sixth Sense“ einen Abstieg hinnehmen und kleinere Brötchen backen musste. Doch die kleine Form bekommt dem Ergebnis ausgezeichnet. „The Visit“ ist ein klug aufgebautes, raffiniertes und gut besetztes Kammerspiel, das sämtliche Shyamalan-Unsitten davor und danach vermeidet. Sogar die Synchronfassung ist meisterlich.

Und damit endet „Summer Of Kult“, unsere Sommerserie aus dem Archiv. Dass weibliche Kultstars und -Azubis wie Marilyn Monroe, Bette Davis, Marlene Dietrich und Margaret Rutherford hier gefehlt haben, hat Materialgründe und hängt natürlich auch mit dem Publikumsverhalten zusammen, das unserem Podcast zugrundeliegt. Es versieht uns aber auch mit guten Vorsätzen für die nahe Zukunft.

Nächste Woche mit dem Gast Bürger Lars Dietrich und den Filmen Im Himmel ist die Hölle los und Vorwiegend heiter

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