betr.: Supplement zu „So siehst Du aus! – Personenbeschreibungen in der Literatur“

Je bereitwilliger jede und jeder Bilder von sich ins Netz stellt, desto häufiger haben wir es andererseits mit der Volkskrankheit „Bodyshaming“ zu tun, einem Sammelbegriff für die Verdrossenheit über das eigene Erscheinungsbild. Aber vielleicht ist dieses Zusammentreffen gar nicht so paradox wie es mir vorkommt. Die Wikipedia ist jedenfalls auffallend zurückhaltend mit Angaben zu Äußerlichkeiten. Nicht einmal die Hautfarbe wird genannt (als sei sie etwas, was man vorsichtshalber verschweigen sollte), auch nicht bei Romanhelden oder Cartoonfiguren.
Der Horror-Autor und –Herausgeber J. N. Williamson (Gerald „Jerry“ Neal Williamson) liebte es, seinen Lesern auszumalen, wer seine Autoren waren – wiewohl die folgenden Beispiele gut 40 Jahre zurückliegen.

Bill Nolan ist ein langbeiniger Kobold mit einem strahlenden Lächeln, und er verteilt Umarmungen, wie man sie seit Großvaters Zeiten nicht mehr erlebt hat.

David B. Silva ist wirklich ein Mann für den Job! Er ist ein Herausgeber, wie sie alle sein sollten: groß, massig, mit breiten Schultern, unter denen es verdächtig nach Muskeln aussieht.

Die Tatsache, dass sein Konterfei auf dem Titelblatt der Juniausgabe 1986 von „Twilight Zone“ erschien, hat ihm nicht den Kopf verdreht … wohl aber einer Anzahl von Leserinnen, wie man so hört. Doch der hochgewachsene, sportliche Richard Christian Matheson kann mit ganz anderen Dingen auftrumpfen als mit seinem beneidenswerten Aussehen.

Nie zuvor habe ich Teenager so gebannt einem Mann lauschen sehen [wie Mort Castle], der einen Kopf kleiner und eindeutig weniger androgyn war als ihre üblichen Idole.

Der Hüne mit über zwei Metern Körpergröße, einem Gewicht von hundertachtzig Kilo und einer Lache, mit der er auftreten könnte, schreibt überwiegend Fantasy. Besonders bekannt sind seine oft recht informativen Geschichten über „Imaro, den ‚schwarzen‘ Tarzan“. Aber Imaro ist viel mehr als ein schwarzer Dschungelheld. Und der aus Kanada stammende Charles R. Saunders kann für sich in Anspruch nehmen, weit mehr zu sein als nur hünenhaft oder schwarz; er ist ein vielseitiger Autor und Philosoph und zudem ein begeisterter Basketballfan.

Es freut uns sehr, dass Ardath Mayhar unter den Bewerbern für den internationalen Literaturpreis, für den “Balrogs Award”, den Titel “Best Poet” verliehen bekam. Mit der Ehrung dieser zierlichen begabten Frau haben sich die Stimmberechtigten selbst das größte Lob ausgesprochen.

Über Stephen King erfahren wir immerhin, er sei groß.

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