One Night Only
RomCom von Will Gluck
In einer nahen Zukunft dürfen Unverheiratete nur noch einmal im Jahr Sex haben, das Datum wurde von der Regierung festgelegt. Kurz vor dem großen Feiertag wird der Pizzabäcker Owen von seiner Liebsten sitzengelassen. Der solide All-American Boy muss nun sehen, wo er auf die Schnelle eine Partnerin herbekommt. Die hoffnungslos romantische Allie hat das selbe Anliegen, und die beiden laufen auch prompt ineinander. Doch Allie ziert sich, man sucht getrennt weiter, und die Uhr tickt dem unvermeidlichen Happy End entgegen …
Will Gluck gilt nach „Einfach zu haben“ und „Wo die Lüge hinfällt“ als ein Spezialist für romantischen Komödien. Callum Turner und Monica Barbaro passen beinahe zu gut zusammen, um sich so lange nicht zu kriegen. Die Grundidee aber klingt dystopisch. Ist sie auch.
Die aktuelle Filmkritik
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Rein optisch ist der Film ein frivoler Sommerspaß mit schönen Bildern und noch schöneren Menschen. Doch die Prämisse, auf der er aufbaut, ist unglücklich, in unseren Tagen der digitalen Preisgabe unseres Privatlebens geradezu gruselig: die Bevölkerung der USA lässt sich willfährig von einem 364-Tage-Sexverbot knechten. Das ist nicht nur haarsträubend und restlos unglaubwürdig, es zeigt auch, als wie normal und alltäglich die totale Überwachung, die dazu seitens der Regierung nötig ist, mittlerweile offenbar angesehen und mit wieviel Humor sie genommen wird. Kann sich auf dieser Grundlage allen Ernstes jemand amüsieren? Ich habe da so eine Befürchtung …
Bei George Orwell oder der Stasi musste die Bevölkerung noch aufwändig ausspioniert werden. Wir schmeißen unsere Daten heute fröhlich raus. In „One Night Only“ ist die Menschheit noch einen Schritt weiter. Privatsphäre gibt es gar nicht mehr. Die Charaktere – also die Bürger New Yorks – tragen Tatöwierungen am Handgelenk, an deren wechselnder Farbe sich ihr Beziehungs-Status und somit ihre Berechtigung ablesen lässt, einvernehmlichen Sex zu haben.
Der finstere Plot ließ sich für mich nicht nur wegen dieses üblen Propaganda-Beigeschmacks so schwer beiseiteschieben. Den liebestollen Stadtmenschen kann an diesem Datum niemand böse sein, will der Film uns sagen, auch nicht der konservative Sexmuffel, der sich irgendwie in diesen Film verirrt hat. Wieviel Leibfeindlichkeit, wieviel Verklemmtheit ist eigentlich in Hollywood am Werk, wenn in einem Mainstream-Film mit solch bigotten Konstrukten gearbeitet wird?
Die Schauspieler müssen nun für gute Laune sorgen, so gut es geht. Beginnen wir mit den komischen Nebenrollen: die Veteranin Molly Ringwald darf sich in der besagten Nacht mit LeVar Burton amüsieren, der mit Kunta Kinte und Geordi La Forge bereits zwei historische Figuren der US-Geschichte verkörpern durfte.
Das Liebespaar im Zentrum besteht aus der konventionellen Schönheit Monica Barbaro und dem leicht unkonventionellen Callum Turner – er ist nämlich einer dieser heißen „Rodent Men“, nach denen zur Zeit alle verrückt sind. Turner ist allerdings viel größer und stattlicher als Josh O‘Connor, sein berühmterer Kollege, mit dem man ihn auf den ersten Blick tatsächlich verwechseln könnte. Als sich Owen und Allie kurz vor Schluss tatsächlich kriegen, kommt es zu einer überraschenden Wendung, die die letzten Reste von Logik und Glaubwürdigkeit endgültig in Stücke reißt.
Neben der gefälligen Optik ist auch das Tempo des Films ganz in Ordnung. Wenn man den Anfang verpasst und nur ein paar Stadtneurotikern zusieht, kann man sich vielleicht ganz gut amüsieren.
Ich sehe dem Erfolg dieses Films mit Neugier und einer gewissen Besorgnis entgegen. Wenn er mit diesem Konzept an der Kinokasse durchkommt, dürfen sich die Chefs der großen Datenkraken freuen. Und mir wird dann so richtig schlecht.