Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Es folgen in dieser Rubrik drei Sätze aus „Niegeschichte“, einem medienphilosophischen Sachbuch von Dietmar Dath, das mich zur Zeit beschäftigt. Ihr Schwierigkeitsgrad steigt leicht an, was Komplexität und besondere Fährnisse (wie Eigennamen) angeht.

Die meisten Menschen, die nicht gelernt haben, solche Maschinen zu gebrauchen, machen im Umgang mit Aufgaben, die im Grenzbereich dessen liegen, was unsere Äffischen Vorfahren zum Doppelzweck des Überlebens und des Fortpflanzungserfolges können mussten, gewohnheitsmäßig gewisse Denkfehler. Wenn man etwa sagt, Person X sei dreißig Jahre alt, weiblich, naturwissenschaftlich gebildet, literarisch interessiert, zeitgeschichtlich informiert, politisch linksorientiert und in einem intellektuellen Beruf beschäftigt, und wenn man diese Leute dann fragt: „Was ist wahrscheinlicher, dass diese Frau a.) Science Fiction schreibt oder dass sie b.) feministische Science Fiction schreibt?“, dann werden viele, wie zahlreiche Feldversuche mit ähnlichen Fragekonstruktionen zeigen, auf b.) tippen, obwohl zwei Dinge, die voneinander hinreichend unabhängig sind, um einander nicht zu bedingen, niemals wahrscheinlicher sein können als ein solches Ding allein (wer etwas anderes glaubt, begeht den sogenannten „Verknüpfungsfehler“, englisch „conjunction fallacy“).

Dietmar Dath: „Niegeschichte“ – Matthes & Seitz Berlin

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