betr.: 118. Geburtstag von Ian Fleming
Die Krise, die die Filmreihe um James Bond gegenwärtig durchläuft, hat sicher damit zu tun, dass es diesen Helden und seine Präsenz auf der Leinwand schon so lange gibt. In mehr als 60 Jahren kann sich auch ein moderner Mythos ganz einfach abnutzen. Übler noch dürfte ihm der Zeitgeschmack zugesetzt haben, der inzwischen auch vor erfundenen Figuren nicht haltmacht.
Ihre erste Krise hatte die Bond-Reihe nach dem letzten Auftritt von Roger Moore erlitten, der zuletzt (1985) für den Part zu alt geworden und vom glücklosen Timothy Dalton abgelöst worden war.
„GoldenEye“ war 1995 nach sechs Jahren Pause, der längsten Unterbrechung bisher, der erste Film, in dem Pierce Brosnan die Titelrolle spielte. Die Produzenten hatten ihn schon zuvor haben wollen, aber wegen seiner Fernsehverpflichtungen einen Ersatz suchen müssen. (Mit Roger Moore war das einst ebenso gewesen.)
„GoldenEye“ ist nicht der Titel eines Romans – die Bücher des 1964 verstorbenen Autors Ian Fleming waren längst alle verfilmt, teilweise mehrfach. Er leitet sich von Flemings Anwesen auf Jamaika ab. 1944 hatte sich der spätere Erfolgsautor während einer Marine-Konferenz auf Jamaika aufgehalten. Es war Liebe auf den ersten Blick: „Ich war nie zuvor in den Tropen gewesen, und es gefiel mir sofort. Also beschloss ich eines Tages mir dort ein Haus zu bauen, in dem ich wohnen könnte, wann immer mir danach zumute wäre. Ich fand den richtigen Ort: eine Esel-Rennbahn am Meer, die nicht mehr in Betrieb war.“
Beruflich nahm Fleming nach dem Ende des Krieges, seine Arbeit als Journalist wieder auf und leitete die Auslandsabteilung eines Zeitungskonzerns. Sein Vertrag sicherte ihm zu, dass er zwei Monate pro Jahr in seinem Haus am Strand von Jamaika leben konnte.
Warum er seinem Traumhaus den Namen Goldeneye (ohne den Binnen-Großbuchstaben) gegeben hat, wird unterschiedlich erklärt. Eine Variante besagt, das er das Haus nach einem von ihm entwickelten Plan aus dem Zweiten Weltkrieg benannte, nach dem die Straße von Gibraltar vor einer Radarüberwachung durch die Deutschen geschützt werden sollte. Eine andere Version will wissen, dass er sich bei Carson McCullers‘ Romantitel „Reflections in a Golden Eye“ bediente.