Auf Touren

betr.: „Reisen“ von Felicitas Hoppe

Reisen war einst eine zwangsläufig unbequeme und gefährliche Angelegenheit. Das Wort „Tourist“ existiert erst seit 1772, der Begriff „Tourismus“ seit 1811. Das Reisen zum Vergnügen war zunächst ein Privileg der Aristokratie und der wohlhabenden Kreise. Erst im 20. Jahrhundert konnte sich die breite Masse in ihrer Freizeit auf die Socken machen. Historiker weisen gern darauf hin, dass die wichtigste Voraussetzung für den Massentourismus ein neues Freizeitkonzept war: vor der Erfindung des Wochenendes und des bezahlten Urlaubs war an so etwas gar nicht zu denken.

Die Autorin Felicitas Hoppe hat in der Essay-Reihe des Hanser Verlags über die Dinge des Lebens* das Thema „Reisen“ abbekommen (so auch der verwechslungsträchtige Titel ihres Buches). Reisen bleibt großes Privileg (schließlich kommt zu Geld, Freizeit und Infrastruktur auch die Notwendigkeit von Freiheit hinzu), obwohl die moralische Debatte um den CO2-Fußabdruck immer irgendwie mitfährt. Hoppe, die vor allem auf Dienstreise ist und „seit 30 Jahren keine Urlaubsreise“ mehr unternahm, hat eine Unmenge dazu zu sagen. Sie nähert sich dem Sujet ebenso biographisch / anekdotisch wie rein praktisch wie auch philosophisch. Dass sie sich zunächst als „Stubenhockerin“ bezeichnet, bzw. von sich sagt, vor langer Zeit eine solche gewesen zu sein, könnte man kokett finden. Aber die Autorin zerstreut diesen Verdacht sehr schnell. Sie webt in ihren Text eine Sittengeschichte des Reisens mit ein und spannt einen so weiten Bogen, dass jeder seinen Platz darin findet und sich identifizieren kann. Man möchte (wenn der Kalauer gestattet ist) von einem Panorama sprechen.

„Reisen“ ist das bisher anregendste Buch der Hanser-Reihe, obwohl mir „Altern“ und „Wohnen“ im Alltag spontan viel näher liegen. Eine gescheite, unendlich witzige Lektüre. Spontan würde ich sagen, die witzigste seit „Gefährliche Ferien“ von Goscinny.
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* Siehe auch https://blog.montyarnold.com/2026/07/02/wohnwelten-vorwort-teil-2/ und https://blog.montyarnold.com/2024/12/05/elke-heidenreich-altern/.

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