betr.: So wohnen literarische Figuren
Fortsetzung vom 27. April 2025
Ich fragte mich, warum Doris Dörrie überhaupt ein Buch namens „Wohnen“ geschrieben hat, wenn sie zu dieser Tätigkeit, diesem Aspekt des Daseins doch offensichtlich gar keine Beziehung hat? Der „Zeit“ verriet sie die Antwort: sie hätte in der existenzialistischen Buchreihe des Hanser-Verlags (mit Themen wie „Lieben“, „Arbeiten“, „Altern“ …) lieber über das „Schlafen“ geschrieben – „weil ich sehr gerne schlafe und es sehr schlecht kann“ -, doch das habe ihr eine andere Autorin weggeschnappt. Sie gestand der Verlagsdame, sie sei eher in Hotels unterwegs, und wenn sie mal eine Wohnung einrichte, dann nur für ihre Filmfiguren. Sie richtet diese Wohnungen eigentlich auch nicht ein, sie spricht davon, sie „kalkuliert zuzumüllen“. (Was sie als Regisseurin dazu motiviert, leuchtet mir durchaus ein: „Mich macht es sauer, wenn Figuren über ihre Verhältnisse leben. Da ist eine Polizeibeamtin, und die wohnt in einem Loft mit Blick über die Stadt. Besonders gern ist das so in deutschen Fernsehfilmen.“)
Wenn es ums Wohnen geht, attestiert sich Dörrie den „geschärften Blick einer Außenstehenden“ und macht sich allenfalls Gedanken darüber, was die Wohnsituation über einen Menschen aussagt. Dieser verwinkelte Zugang zum Thema ist die Erklärung für den unbehausten Ansatz ihrer Prosa. Und dass sie in einem Ankreuztest ihren Wohntypus ermittelt hat: „Verweigerin“ mit „keinerlei Sinn fürs Einrichten“.
Die Wege des Lektorats sind unergründlich.