One Song, tenderly beating

betr.: 114. Geburtstag von Frank Churchill

Wer heute für einen Disney-Film die Songs schreibt, der steht schon mit einem Bein auf dem Broadway. In Kürze wird man in Hamburg auch den legendären Wunderknaben Aladin … pardon, „Aladdin“ live erleben können, und das Publikum freut sich auch deshalb schon jetzt darauf, weil es – abgesehen von einigen zusätzlichen Songs und nie gesehenen Bühneneffekten – keine grundsätzlichen Überraschungen befürchten muß.
Zu den visionären Qualitäten des bereits vor einem halben Jahrhundert verstorbenen Walt Disney gehörte, dass bereits der erste abendfüllende Trickfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ die nötigen Zutaten, die crossmediale Qualität mitbrachte, die später „König der Löwen“ aufwies – und „Mary Poppins“, Disneys letzte persönliche Chefsache.

Disneys erster Musical-Komponist war Frank Churchill. Bereits in der vorangegangenen Phase der klassischen Kurz-Cartoons, die musikalisch vor allem von Oliver Wallace geprägt waren, war er als Songschreiber in Erscheinung getreten. Sein „Who’s Afraid of the Big Bad Wolf“, der den drei kleinen Schweinchen auf die Bude rückt, ist in den USA heute ein Volkslied, vergleichbar unserem „Alle meine Entchen“.

Churchill hatte schon im Teenageralter als Stummfilmpianist gearbeitet. Vermutlich auf Wunsch seiner Eltern, begann er ein Medizinstudium, doch das brach er vorzeitig ab, um im frisch begründeten Medium Radio als Liedbegleiter tätig zu werden – die Live-Performance war damals noch die übliche Weise, im Rundfunk Musik zu machen. Dass er kaum sechs Jahre später zu Walt Disney und somit zum wiederum brandneuen Tonfilm stieß, ist vermutlich ein weiterer Beleg für den Weitblick von Onkel Walt.
Frank Churchill hat auch – zusammen mit Leigh Harline – „Bambi“ vertont, aber seine
bewegendste Ballade erklingt in „Dumbo“: „Baby Mine“, der Song für die Elefantenmutter, die durch Gitterstäbe von ihrem kleinen segelohrigen Söhnchen getrennt ist.

Was der Meister seinem Boss und uns noch zu Füßen gelegt hätte, wird ein Geheimnis bleiben. Er erschoß sich im Mai 1942 auf seiner Ranch in der Nähe von Los Angeles, am Klavier sitzend, wie die Legende weiß. Die Gründe liegen im Dunkeln. Churchill hatte ein Alkoholproblem, und im selben Frühjahr waren zwei seiner befreundeten Musikerkollegen innerhalb weniger Wochen gestorben. Natürlich kursiert auch die wohlfeile Erklärung, der gestrenge Mr. Disney habe ihn zu hart rangenommen, aber das hat er bekanntlich mit allen seinen Untergebenen getan.
Wer von Walt Disney nicht kritisiert wurde, mußte sich gelobt fühlen.
Der kleine Vorführraum, in sich der Meister die ersten Muster anzusehen pflegte, hieß im Studiojargon „der Schwitzkasten“ – und das lag nicht nur an der stickigen Luft in diesem Raum.

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