Der Heino Jaeger des Jazz

betr.: 20. Todestag von Dodo Marmarosa

Das Album „Dodo’s Back!“ des 36jährigen Jazzpianisten Dodo Marmarosa war eine Sensation in Jazzkreisen. Der Musiker galt damals als verschollen – innerhalb und außerhalb der Szene.
Schon früh sehr erfolgreich, war ihm der Musikbetrieb bald zu viel gewesen, und er hatte sich zurückgezogen. Der Produzent des besagten Albums, Joe Siegel, beschreibt in den Liner Notes, wie schwierig es gewesen war, den sich mitunter leicht erratisch  gerierenden Künstler auf irgendetwas festzulegen – auf ein Repertoire, ein Studio, eine Plattenmarke, darauf, überhaupt zur Aufnahme zu erscheinen.

Dodo Marmarosa wurde am 12. Dezember 1925 in Pittsburgh geboren. Mit neun Jahren begann der das Klavierspiel, und obwohl sein Interesse anfangs ausschließlich der klassischen Musik galt, war er fasziniert von dem, was ein wenige Jahre älterer Nachbarsjunge so auf dem Klavier spielte – es war der später so berühmte Errol Garner. Der führte ihn in die Kunst des Jazz ein.
Bereits mit 15 war Dodo ein Profimusiker. Er spielte im Orchester des Trompeters Johnnie „Scat“ Davis, mit 16 wurde er der Pianist der Gene Krupa Big Band.
1943 gastierten Krupa und sein Orchester  in Philadelphia. Nach der Show wurde Dodo von Marinesoldaten angegriffen, die ihn bezichtigten, sich in Kriegszeiten der Einberufung zu entziehen. Es kam zu massiven Gewaltausbrüchen. Die Kopfverletzungen, die Dodo dabei erlitt, haben ihm, wie Kollegen es schilderten, den Rest gegeben. Der schon immer etwas wunderliche Knabe habe als Musiker zwar weiterhin tadellos funktioniert, aber alles andere habe irgendwie nicht mehr gestimmt.
Es war das Jahr, in dem die ersten Schallplattenaufnahmen mit Dodo Marmarosa entstanden. Er war 17 Jahre alt und spielte mit Charlie Barnet den Klassiker „The Moose“, der sich als früher Meilenstein des Bebop erweisen sollte. Ein Projekt mit Boyd Raeburn verschaffte ihm – vorübergehend – die einzige Erwähnung in J. E. Berendts „Jazzbuch“.

Nach der Mitwirkung in anderen Bigbands – bei Ted Fiorito, Tommy Dorsey und Artie Shaw – beschloss er, nur noch als Studiomusiker oder Gast auf Rundfunk-Sessions tätig zu sein. Dodo Marmarosa wurde zum führenden Pianisten in Los Angeles, um den sich Stars wie Lionel Hampton, Mel Tormé, Barney Kessel oder Louis Armstrong bemühten.

Nach seinen großen Tagen in Hollywood zog sich der Pianist Anfang der 50er Jahre in seine Heimatstadt Pittsburgh, aus der Welt und in sich selbst zurück. Er spielte noch ein paar Jahre lokal, dann versandeten auch diese Aktivitäten. Die Aufnahmen für „Dodo’s Back!“ dürften die letzten gewesen sein, die er professionell gefertigt hat.
Dodo Marmarosa starb 2002, wenige Wochen vor seinem 77. Geburtstag.

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